Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 111
Showdown in Kärnten
Von
Museen: Direktorin in Klagenfurt brüskiert
E s scheint eine tragische Groteske zu sein, die sich in Österreich, in Kärntens Hauptstadt Klagenfurt abspielt: Vor zwei Jahren wurde dort die Nürnberger Kunsthistorikerin Andrea Madesta, zuvor stellvertretende Leiterin der Kunsthalle ihrer Heimatstadt, zur Direktorin des neuen Museums Moderner Kunst Kärnten bestellt. Guten Mutes begann sie ihre Arbeit mitten im Machtzentrum des populistischen Landeshauptmanns Jörg Haider. Und anfangs, so Madesta, lief auch alles normal, sie konnte planen und Strukturen aufbauen. Doch ab August 2005, erzählt die 41-jährige Museumschefin, wurden ihr von Haiders Ex-Sekretärin, der Leiterin der Landeskulturabteilung Erika Napetschnig, die Kompetenzen beschnitten: Sie verlor die Budget- und Personalhoheit, habe weder Kontrolle über das Ausstellungsprogramm noch die Ankäufe des Museums.
Alles unwahr, meint dazu Haiders Landeskulturreferent Martin Strutz. Er verstehe das Verhalten von Frau Madesta nicht, denn die Museumsdirektorin hätte "alle Voraussetzungen, um optimal arbeiten zu können": 16 Mitarbeiter, dazu ein gut ausgestattetes Budget.
Die Deutsche scheine seiner Ansicht nach einfach "nicht verstanden zu haben, dass das Museum nicht ausgegliedert, sondern eine Unterabteilung der Kulturabteilung ist". In einem Verfahren will Strutz jetzt alle Vorwürfe von der Landesamtsinspektion prüfen lassen. Zur Sprache kommen soll hier auch die Anschuldigung Madestas, Napetschnig habe sich die gesamte Post des Museums, auch die persönlich an die Direktorin adressierten Briefe vorlegen lassen.
Eine Auflösung ihres bis 2009 laufenden Vertrags habe sie bereits abgelehnt - inklusive einer Abfindung "von 100000 Euro brutto". Sie wolle sich nicht für das Gehen bezahlen lassen, sagt sie. Und kündigen wolle sie auch nicht: Sie hoffe darauf, "dass sich die Verhältnisse ändern". Erst aber geht Madesta in den Mutterschutz, sie bekommt ihr zweites Kind. ALMUTH SPIEGLER
Bild(er):
Bild: Will nicht gehen: Andrea Madesta
