Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 104
Schmutzige Wäsche
Von
Streitfall: Sammler-Enkel fordern Gemälde zurück
Als im Münchner Auktions haus Hampel letzten September Gemälde, Zeichnungen und Grafiken des deutschen Impressionisten Max Liebermann aus der Sammlung des Kaufhausmillionärs Hans-Georg Karg versteigert wurden, kamen einige Werke wegen ungeklärter Provenienzen nicht zum Aufruf, darunter das Bild "Wäschetrocknen - Bleiche" von 1890 (art 9/2005), das einst dem Berliner Unternehmer Moritz Ury gehörte. Der Jurist und Kunstfahnder Willi Korte verhandelt jetzt im Auftrag der Enkel von Moritz und Selma Ury, die Anspruch auf das Liebermann-Bild erheben, mit der Karg-Stiftung für Hochbegabtenförderung, in deren Besitz nach Kargs Tod 2003 die Bilder übergingen.
Der Sammler Moritz Ury war 1938 ins Schweizer Montreux gegangen und starb dort im Mai 1939. Seine Witwe emigrierte in die USA, wo sie 1941 Selbstmord beging. Aus den Unterlagen, die Korte aufgespürt hat, ergibt sich nach Meinung des Kunstfahnders folgender Ablauf: Der Hausrat von Ury wurde im August 1938 eingelagert. Da die Nazis von Emigranten "Reichsfluchtsteuer" erhoben, wurde der eingelagerte Besitz, darunter wohl auch das Liebermann-Bild, 1941 versteigert. "Dabei wurde darauf geachtet, ob aus damaliger Sicht wertvolles Kunst- und Kulturgut dabei war. Bei Liebermann haben wir aber das Problem, dass der Künstler als ,entartet` galt und seine Bilder nichts mehr wert waren", so Korte - deshalb keine Erwähnung in den Akten.
Trotz solcher Probleme bei der Wahrheitsfindung hofft Korte auf eine gütliche Einigung. Aufgrund der Auseinandersetzungen sei das Bild, "international ohnedies nicht mehr verkäuflich". JOACHIM HAUSCHILD
Bild(er):
Bild: Kunstfahnder Willi Korte
Bild: Streitobjekt: "Wäschetrocknen - Bleiche", 1890, von Max Liebermann
