Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 102
Vom Fachmann zum Fälscher
Von
Prozess: Münchner Experte ließ Dali-Bilder fälschen
Der 52-jährige Kunsthändler Ralf Michler aus München hat sein Leben dem spanischen Surrealisten Salvador Dali (1904 bis 1989) gewidmet. Gemeinsam mit seinem 1996 gestorbenen Lebensgefährten Lutz W. Löpsinger erarbeitete Michler das zweibändige Werkverzeichnis der Dali-Druckgrafiken, das 1994/95 in München erschien. Seither wurde Michler zu einem wichtigen Helfer der Polizei bei der Aufdeckung von Fälschungen der Werke des Malers.
Doch im Sommer 2004 geriet er selbst ins Visier der Fahnder. Ausgerechnet sein Verbündeter im Kampf gegen die Dali-Falsifikate, der Stuttgarter Kriminalbeamter des Fachbereichs Kunst und Antiquitäten beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg, Ernst Schöller, kam Michler auf die Spur. Ihm hatte ein Schweizer Händler mitgeteilt, er habe ein Dali-Werk aus der "Sammlung Löpsinger/Michler" gekauft. Da Schöller von einer solchen Sammlung nichts wusste, wurde er hellhörig und stell-te Nachforschungen an. Rasch kam heraus, dass Michler, der einen aufwändigen Lebensstil pflegte, finanziell mit dem Rücken zur Wand stand. In seiner Wohnung fanden sich Papiere, aus denen hervorging, dass er einen Fälscher in der Slowakei beauftragt hatte, Dali-Fälschungen zu produzieren. Später soll der Händler die Blätter signiert und vertrieben haben.
Michler zeigte sich geständig. Der Handel habe es ihm leicht gemacht, behauptete der Angeklagte, der in München zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde - das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. G. HANDLOEGTEN/R. NÜBEL
Bild(er):
Bild: Fahnder Ernst Schöller (links) kam Kunsthändler Ralf Michler auf die Spur
