Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 85
Kaiserliche Prahlerei mit Kunst
Von Petra Bosetti
AUSSTELLUNGEN IM JULI / LUXEMBURG: SIGISMUNDUS REX ET IMPERATOR / Eine Schau im Musee National d'Histoire et d'Art, organisiert vom Szepmüveszeti-Museum in Budapest, stellt Kunst und Kultur des ungarischen Kaisers vor
Die Monarchen des Mittelalters, meist 15 an der Zahl, kannten und respektierten einander und standen gleichzeitig in edlem Konkurrenzkampf, "um einen vorderen Platz auf der Rangliste der Monarchien einzunehmen", so der Historiker Peter Moraw. Die Kultur profitierte davon, denn der Wettkampf wurde vor allem auf den Gebieten Kunst, Architektur und Musik ausgetragen. Der legendäre Kunstwissenschaftler Erwin Panofsky sprach sogar von einer "Inflationsspirale der gesellschaftlichen Prahlerei".
Einer, der ganz oben thronte, war Sigismund von Luxemburg, König von Ungarn und König und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs (1368 bis 1437).
Schon als Knabe der in der Erbfolge ganz oben stehenden ungarischen Prinzessin Maria versprochen, wurde er bereits mit 19 Jahren zum König gekrönt. Von seinem Vater, Kaiser Karl IV., Herzog von Luxemburg, hatte er die Tradition übernommen, Künstler in den Dienst des Hofes zu stellen.
Sigismund von Luxemburg steht in der Ausstellung im Musee National d' Histoire et d'Art in Luxemburg (zuvor in Budapest) stellvertretend für die Kultur am eigenen Hof und die der Monarchien seiner Zeit. Ein gewaltiges Unternehmen, deren Dimensionen sich schon beim Anblick des stattlichen, 734 Seiten starken Katalogbuches "Sigismundus Rex et Imperator - Kunst und Kultur zur Zeit Sigismunds von Luxemburg 1387-1437" klar wird. Rund 400 Werke aus 100 Museen und Privatsammlungen kamen zusammen, darunter Exponate aus der Eremitage in St. Petersburg, dem Pariser Louvre, dem British Museum in London und dem Kunsthistorischen Museum in Wien.
Der Schwerpunkt der Schau liegt auf dem Kunsthandwerk - von Münzen und Siegeln über Kronen, Schmuck zu Reliquiaren. Außerdem werden Gemälde, vor allem Porträts von Sigismund gezeigt, dazu Steinmetzarbeiten und illuminierte Handschriften. Organisiert vom Budapester Szepmüveszeti-Museum, war es die größte und teuerste Ausstellung, die je in Ungarn gezeigt wurde: Die Kosten belaufen sich rund 1,9 Millionen Euro. PETRA BOSETTI
Termin: 13. Juli bis 15. Oktober. Katalog: Verlag Philipp von Zabern 45 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro. Begleitband zum Sigismund-Kolloquium, 35 Euro, im Buchhandel 45 Euro. Internet: www.sigismundus.hu, www.mnha.lu
Bild(er):
Bild: Porträt des Sigismund von einem unbekannten Hofmaler (um 1420, 59 x 42 cm)
Bild: Büste der Heiligen Dorothea (um 1420/30, Höhe 55 cm)
Bild: Schwan-Anhänger (um 1400, 33 x 25 mm)
