Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 29

"Wir sprechen hier nur von 1a-Material"

Von Ute Thon

TITEL: Die Guggenheim-Story -200 Meisterwerke kommen nach Bonn: die Geschichte der berühmten New Yorker Sammlung / Guggenheim-Chef Thomas Krens will die erstklassige Sammlung in den Vordergrund stellen - und Bonn eine Blockbuster-Schau bescheren

art: Herr Krens, das Guggenheim Museum ist bereits an drei Orten in Europa präsent, in Berlin, Bilbao und Venedig. Brauchen wir da in Bonn noch die Guggenheim Collection?

Krens: Diese Ausstellung könnten wir in Berlin gar nicht zeigen, denn die Räume dort sind zu klein. Und von der Peggy-Guggenheim-Sammlung aus Venedig bringen wir nur wenige Werke mit. Es geht darum, dass es kein Verständnis dafür gibt, wie umfassend unsere Sammlung wirklich ist, besonders im Nachkriegsbereich.

Hat der Erfolg der MoMA-Schau in Berlin Ihre Planung beeinflusst?

Nein. Wir waren uns schon vorher sicher, was wir tun wollen. Es war nur eine Frage von Wenzel Jacobs Timing, dem Direktor der Bonner Kunsthalle.

Gab es Arbeiten, die aufgrund konservatorischer Bedenken nicht verschickt werden konnten?

Wenn ein Werk nicht reisen konnte, fanden wir ein vergleichbares, das genauso gut ist. Wir schicken schließlich nicht unsere komplette Sammlung nach Bonn. Das Niveau ist extrem hoch, wir sprechen hier nur von 1a-Material.

Was zeigen Sie in New York, während die besten Stücke in Bonn sind?

Die fehlenden Werke können wir leicht mit anderen Werken aus der Sammlung ersetzen. Ansonsten zeigen wir eine Schau über Porträtmalerei des 19.Jahrhunderts, eine Richard-Prince- und eine Zaha-Hadid-Retrospektive.

Wie viel kostet die Ausstellung?

Das machen wir nicht öffentlich.

Wenzel Jacob spricht von über zehn Millionen Euro.

Die Ausstellung kostet so viel, wie eine Schau mit rund 200 Werken und hohem Versicherungswert eben kostet.

Für das Guggenheim Museum ist es in jedem Fall ein Gewinn. Wie werden Sie das Geld verwenden?

Das haben wir noch nicht genau festgelegt.

Wie hoch sind Ihre Erwartungen? Wird das eine Blockbuster-Schau?

Wir haben uns in Europa einen guten Ruf erworben. Da sind die Erwartungen hoch. Die Kunsthalle rechnet mit 800000 Besuchern.

Neben Frühwerken der Moderne liegt ein Schwerpunkt auf Minimalismus und Konzeptkunst der sechziger und siebziger Jahre - nicht gerade das, wofür Leute Schlange stehen.

Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut mit einer entsprechenden Anzahl von Gemälden vom Impressionismus bis zur Pop Art. Doch wie Sie wissen, hat die erste Direktorin des Guggenheim Museum, Hilla von Rebay, es als Museum für gegenstandslose Malerei etabliert. Aufgrund dieser Geschichte war unser Ankauf der Panza-Biumo-Sammlung mit bedeutenden Werken des Minimalismus und der Konzeptkunst sinnvoll. Es werden 30 sehr starke Werke diesen Teil der Sammlung beleuchten.

Was war neben finanziellen Aspekten Ihr Grund für die Kooperation?

Mein Ziel ist es, die Evolution des Guggenheim Museum zu erzählen. Wir haben in den letzten 18 Jahren eine großartige Sammlung aufgebaut und das Guggenheim zu einem Weltklassemuseum gemacht. Das weiß nur niemand, weil unser Museum in New York zu klein ist. Ich könnte ohne weiteres eine Ausstellung mit 100000 Quadratmetern bestücken. INTERVIEW:

Bild(er):

Bild: Krens im Guggenheim Museum New York