Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 12

Warum tragen Sie ein Spiegel-Ei?

Von

FRAGEN AN ELLIOTT ERWITT, US-FOTOLEGENDE

Die Brosche trage ich gern in Menschenmengen. So bin ich leichter zu erkennen: Ich bin der mit dem Ei.

Und wie erkennen Sie den Moment, in dem Sie auf den Auslöser drücken müssen?

Da gibt es kein Konzept. Das ist ganz einfach, das kann jeder.

Aber nicht jeder macht ein gutes Bild.

Vielleicht. Ein bisschen Talent braucht man, ein visuelles Empfinden. Aber sonst nur Bescheidenheit, Geduld und Glück.

Sie fotografieren schon seit über 50 Jahren - hat sich in dieser Zeit etwas an Ihrer Arbeit geändert?

Die Autos im Hintergrund. Aber wie ich die Welt sehe, ist gleich geblieben. Andere Künstler wechseln ja gerne ihren Stil.

Sie nicht?

Das Einzige, was ich gern wechsle, ist die Unterwäsche. Und das ist ein Problem: Ich muss früher nach New York zurück, weil ich keine frische mehr habe.

Immerhin haben Sie ein Stück Deutschland im Studio: eine Kuckucksuhr.

Ich habe zwei. Aber die andere geht nach, deshalb hängt darunter noch eine Uhr. Eine für die Zeit, eine für Kuckuck.

Kuckuck?

Ja, ich mag Kitsch. Ich habe auch eine Uhr, die bellt. Und zwar stündlich in einer anderen Tonlage.

Hunde sind eines Ihrer Lieblingsmotive. Warum?

Hunde sind wie Menschen, nur mit sehr viel mehr Haaren.

Es macht keinen Unterschied, ob man Hunde oder Menschen fotografiert?

Doch. Hunde wollen keine Abzüge von den Bildern.

Fotografien von Elliott Erwitt noch bis 12. Juli in der Galerie Morat, Hamburg

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Bild: "New York City" (1946) von Elliott Erwitt, der Kitsch und Hunde liebt