Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 101-102

Ein verzwickter Bilderhandel

Von

Museum: Leipzig vollzieht umstrittenen Kunsttausch mit einem Privatsammler

Der Tausch bleibt eine Ausnahme, kein Präzedenzfall", beteuert Leipzigs Kulturdezernent Georg Girardet eifrig, räumt aber gleichzeitig ein: "Es ist nicht unproblematisch, denn wir geben städtisches Eigentum ab." Gemeinsam mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig bereitet Girardet derzeit einen umstrittenen, wenngleich vom Regierungspräsidium bereits abgesegneten Bilderhandel vor. Zwei Gemälde aus der städtischen Sammlung sollen gegen Werke aus dem Besitz des Privatsammlers Siegfried Unterberger eingewechselt werden. Der Südtiroler Unternehmer will Fritz von Uhdes Gemälde "Im Herbst" (1890) und Wilhelm Leibls "Bildnis des Malers Johann Herterich"(1868) an das Museum geben, verlangt dafür aber "Das Tischgebet" (1875) von Franz von Defregger sowie "Das Mittagessen" (um 1922) von Albin Egger-Lienz aus der Leipziger Sammlung. In der Presse und im Stadtrat erhoben sich empörte Stimmen, die einen Ausverkauf von Bürgervermögen beklagten.

Doch die Angelegenheit ist verzwickt: Die Bilder Leibls und von Uhdes waren einst Kernstücke des Leipziger Museums und wurden erst 2004 an die Erben des ursprünglichen Besitzers, des jüdischen Musikverlegers Henri Hinrichsen, zu- rückgegeben (art 2/2003). Der Sammler Unterberger ersteigerte beide Werke im Londoner Auktionshaus Sotheby's für rund 80000 Euro und bot sie der Stadt zum Tausch an. Weil die Gemälde der Tiroler Künstler Defregger und Egger-Lienz, die er im Gegenzug begehrt, bis 375000 Euro wert sind, stockte Unterberger auf. Er bot zusätzlich 24 Zeichnungen des Symbolisten Max Klinger und einen Briefwechsel des Künstlers mit dem damaligen Leipziger Museumsdirektor Julius Vogel.

Die Leipziger konnten dieser Offerte nicht widerstehen. Museumschef Hans-Werner Schmidt erklärte, die für den Tausch geforderten zwei Bilder von Defregger und Egger-Lienz seien ohnehin Depotstücke und spielten im Bestand des Museums keine bedeutende Rolle. Die Leibl- und Von-Uhde-Werke aber "haben ihre Korrespondenzbilder" in der Kollektion.

Auch die in Aussicht gestellten Klinger-Blätter seien eine hervorragende Ergänzung eines bereits bestehenden Sammlungsschwerpunktes. "Grundsätzlich teile ich den Standpunkt, dass Museumsgut dem Wirtschaftskreislauf entzogen sein muss", erklärte der Museumsdirektor. Aber in diesem Fall ginge es um das "Abwägen von Verlusten". SUSANNE ALTMANN

Bild(er):

Bild: Zugabe des Sammlers: Max Klingers "Lilis Park" (1883)

Bild: Wilhelm Leibls "Bildnis des Malers Johann Herterich" (1868) und Fritz von Uhdes "Im Herbst" (1890) gehören bald wieder dem Leipziger Museum

Bild: Museumschef H.-W. Schmidt

Bild: Tauschobjekt: "Das Tischgebet" (1875) von Franz von Defregger