Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 86
Mit Gaudi zur Neuen Figuration
Von Pamela Axmann
AUSSTELLUNGEN IM JULI / MÜNCHEN: GRUPPE SPUR 1957-1965 / Das Museum Villa Stuck stellt das vielseitige Werk der Münchner Künstlergruppe vor und zeichnet deren künstlerische Entwicklung und kulturpolitischen Aktivitäten nach
Schon unglaublich, dass die Gruppe Spur ausgerechnet in München noch nie eine Museumsausstellung hatte. Sie ist die wichtigste Münchner Künstlervereinigung seit dem Blauen Reiter. Fast 50 Jahre nach ihrer Gründung würdigt das Museum Villa Stuck nun das Gesamtwerk der Gruppe Spur, die 1958 von dem Bildhauer Lothar Fischer (1933 bis 2004) und den drei Malern Heimrad Prem (1934 bis 1978), Helmut Sturm (Jahrgang 1932) und HP Zimmer (1936 bis 1992) gegründet wurde. Die Kunststudenten litten unter der kulturellen Ödnis im Nachkriegsdeutschland. Abstrakt oder kubistisch zu malen, galt bereits als "ein Zeichen von Rebellion". Das Informel war auch für Spur ein wertvoller Impuls. Doch die Spur-Künstler suchten nach einer anderen, nicht rein abstrakten Formensprache, in die auch figurative Elemente mit einfließen konnten. Bloße Abstraktion war für sie nur ein "hundertfach abgelutschter Kaugummi". In ihrem ersten Manifest von 1958 forderten sie statt dessen "den Kitsch", "den Irrtum" und "den ehrlichen Nihilismus".
Der Künstler Hans Platschek, der Galerist Otto van de Loo und der Cobra-Maler Asger Jorn wurden zu wichtigen Mentoren der Gruppe. Durch Jorn bekamen die Spur-Künstler wieder den Mut zur Farbe. Der Däne stellte auch die Verbindung zur neodadaistischen Situationistischen Internationale her, deren Mitglied Spur 1959 wurde. Dieter Kunzelmann und Uwe Lausen zählten zeitweise zu ihren Mitstreitern. Es folgten Malaktionen, Feste, Reisen, Flugblätter und die Spur-Zeitschrift, deren sechste Nummer sogar zum Prozess wegen Gotteslästerung und Pornografie führte. Der Katalog versammelt die Dokumente der Gruppe, darunter die seltenen Spur-Zeitschriften im Faksimile. Dort ist auch das "Gaudi"-Manifest von 1961 nachzulesen. Es führte zum Ausstellungsverbot durch das Bayerische Kultusministerium im Haus der Kunst, das offiziell nie zurückgenommen wurde.
Termin: 13. Juli bis 22. Oktober. Danach: Museum Lothar Fischer, Neumarkt in der Oberpfalz. Kunsthalle St. Annen Lübeck. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 34 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro. Internet: www.villastuck.de
Bild(er):
Bild: Halb Spiel, halb Utopie: Gemeinschaftswerk der Gruppe aus Draht und Ton für die Biennale in Paris, der "Spur-Bau" (1963, 90 x 90 x 70 cm)
Bild: Doppelbelichtetes Foto der Gruppe Spur 1961 im Hofbräuhaus (links Dieter Kunzelmann, hinten rechts Antonio Saura)
