Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 113
Lebendige Gipse
Von
Aufnahmen mit Gipsabgüssen von Giacomettis Figuren
Alberto Giacometti (1901 bis 1966) modellierte seine Skulpturen in Ton. Damit er sie später in Bronze gießen konnte, machte sein Bruder Diego Gipsabgüsse, die der Bildhauer weiterbearbeitet hat. Als der Schweizer Fotograf Ernst Scheidegger diese Abgüsse im Pariser Atelier des Künstlers sah, war er davon fasziniert: "Ich entdeckte, dass die Gipse das Werk Albertos viel differenzierter und lebendiger wiedergaben als manche Bronzen." Von den vierziger Jahren bis zu Giacomettis Tod wurden sie seine bevorzugten Objekte. Die teils unbekannten Aufnahmen lassen die Atmosphäre beim Entstehen der Skulpturen wieder aufleben und zeigen Werke, die bis zum kürzlichen Ende der Erbstreitigkeiten unzugänglich in einem Pariser Möbellager deponiert waren (nun bis 30. Juli im Zürcher Kunsthaus zu sehen).
Es ist das letzte Buch, das Heiner Spiess betreut hat. Der sensible und engagierte Zürcher Verleger ist überraschend Ende Mai an Hirnschlag gestorben. G. M.
Ernst Scheidegger: Alberto Giacometti - Skulpturen in Gips. Verlag Scheidegger & Spiess. 120 S., 114 Abb., 28 Euro
Bild(er):
Bild: Ernst Scheidegger: Gipsabgüsse in Giacomettis Atelier (nach 1954)
