Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 103
Großer Auftritt für den Müll
Von
Szene: Berliner Projekt sammelt Material für arme Künstler
Kulturelle Initiativen und Künstler brauchen Material. Oft haben sie nicht genügend Geld, um es zu kaufen. Jahrelang galt daher die Devise: "Sei schlau, klau beim Bau." In Zeiten gut gesicherter Baustellen können Berliner Künstler, sofern sie nicht rein kommerzielle Interessen verfolgen, nun ganz legal auf einem Garagenhof im Stadtteil Pankow kostenlos nach verwertbaren Materialien Ausschau halten. Hier betreibt seit wenigen Monaten die Bildhauerin und Performancekünstlerin Corinna Vosse das Projekt "Kunst-Stoffe". Immer dienstags macht sich die Kunstaktivistin mit einem orangefarben und cyanblau gestrichenen Bus auf den Weg, um in Berlin und Umgebung bei Spendern "Sachen, die sich als Investitionsgüter begreifen lassen" einzusammeln: Holz, Papier, Textilien, Metall und Farben. Freitags öffnet sie für Selbstabholer und Lieferanten.
Das Konzept ist simpel: für Firmen und Privatpersonen, die sich von Dingen trennen möchten, aus denen Künstler noch was machen können, bietet sich "Kunst-Stoffe" als Vermittler an. Die Idee brachte Vosse aus New York mit, wo sie mehrere Jahre gelebt und gearbeitet hat. Dort ist die gemeinnützige Initiative "Material for the Arts" mit einem so genannten "Re-use-Center" schon seit 1978 erfolgreich zum Wohle von Kunst, Stadt und Umwelt aktiv. Doch mit Recycling hat "Kunst-Stoffe" wenig zu tun, sagt Vosse, deren Arbeit von der Projektagentur "Zukunftsfähiges Berlin" unterstützt wird: "Wir betreiben "Upcycling". Dinge, die Müll waren, bekommen noch einmal ihren großen Auftritt." KITO NEDO
Internet: www.kunst-stoffe-berlin.de
Bild(er):
Bild: Das Lastenfahrrad dient zur Werbung und für kleine Materialtransporte
Bild: Kunstaktivistin Corinna Vosse
