Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 104
Schmuggelware ins Museum
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Kunstsammlung: Chemnitz erhält Klaus-Staeck-Plakate
Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen." Mit dieser scharfen Politsatire mischte sich der Plakatkünstler Klaus Staeck, heute Präsident der Berliner Akademie der Künste, 1972 in den deutschen Wahlkampf. Sein Image als Bürgerschreck hat der heute 68-jährige Staeck längst verloren, ein Klassiker der politischen Kunst aber ist er allemal. Die Kunstsammlung Chemnitz erwarb jetzt alle 420 Künstlerplakate aus seiner Produktion für den symbolischen Preis von 999 Euro, gestiftet vom Freundeskreis des Museums. Mit den Staeck-Motiven bereichert die Kunstsammlung ihre exzellente Kollektion klassischer Plakatkunst mit Arbeiten von Käthe Kollwitz und Franz von Stuck.
Zu DDR-Zeiten war der gebürtige Sachse, der 1956 nach Heidelberg zog, im Osten offiziell durchaus hoffähig. Seine Kapitalismuskritik wurde gefeiert, seine Vorbehalte gegen den Kommunismus gnädig ignoriert. Staecks Plakat mit dem Schriftzug "Ruf doch mal an" (1977), kombiniert mit einer fetten Wanze, war dem Überwachungsstaat aber zu viel. Es kam nur als Schmuggelware über die Grenze. SUSANNE ALTMANN
Bild(er):
Bild: "Ruf doch mal an!" (1977)
Bild: "Deutsche Arbeiter!" (1972)
