Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 105
Flucht vor den Schuhläden
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Szene: Galeristen verlassen Berlin-Mitte Richtung Westen
Berlins jüngere Galeristen, bisher überwiegend in Mitte ansässig, zieht es vermehrt in die westlichen Bezirke der Hauptstadt - in Industriearchitektur und in größere Räume. Johann König, der Ende April in Kreuzberg in einer ehemaligen Acrylglas-Werkstatt seinen neuen Standort eröffnete, schwärmt nicht nur vom Tagesoberlicht seines 540 Quadratmeter großen Hauses in der Nähe des Potsdamer Platzes, sondern auch von der "neutraleren Umgebung". Bisher saßen König und seine Geschäftspartnerin Kirsa Geiser in einem 80 Quadratmeter großen Ladenlokal mit den Nachbargalerien Christian Nagel und Magnus Müller gegenüber der Berliner Volksbühne. Doch die Gegend um den Ro-sa-Luxemburg-Platz, so König, entwickle zunehmend einen "Schuhladenschick".
Drei Jahre war König, zu dessen Künstlern unter anderem Jeppe Hein, Michaela Meise und Johannes Wohnseifer gehören, auf der Suche nach einem neuen Domizil. Nicht ganz so lang brauchte seine Kollegin Giti Nourbakhsch, die noch einen 51 Quadratmeter großen Ausstellungsraum in der Rosenthaler Straße bespielt, nur einen Steinwurf von den traditionellen Kunstorten Auguststraße und Linienstraße entfernt. Ab Mitte September aber will die Galeristin, die unter anderen Künstler wie Tomma Abts, Katja Strunz und Anselm Reyle vertritt, in einen ehemaligen Gewerbehof auf der Kurfürstenstraße in Schöneberg umziehen. Die neue Ausstellungsfläche ist mindestens fünfmal so groß wie der bisherige Raum. "Mitte ist einfach zu teuer, wenn man mehr Platz will", erklärt Nourbakhsch. Ob sie ihren bisherigen Raum aufgibt, hat die Galeristin allerdings noch nicht entschieden.
Schon vor zwei Jahren zog Guido W. Baudach von Mitte in den Wedding. Zunächst sei er in den Osramhöfen nur auf der Suche nach neuen Lagerräumen gewesen, erinnert sich Baudach, dann habe er eine dreimonatige Sommerausstellung geplant, um schließlich einfach zu bleiben. Die Gegend um die Auguststrasse hat für den Galeristen mittlerweile etwas von "Klein-Göttingen", doch als Zentrum des Berliner Kunsthandels habe sie ganz sicher Bestand. Gleichzeitig würden sich jedoch auch andere Zentren und Nebenschauplätze etablieren, meint Baudach. Über seiner Weddinger Fabriketage hat übrigens seit wenige Monaten ein Routinier im Etablieren neuer Galeriestandorte, der Berliner Kunsthändler Max Hetzler, einen temporären Ausstellungsraum eröffnet. KITO NEDO
Internet: www.johannkoenig.de; www.nourbakhsch.de; www.maxhetzler.com; www.guidowbaudach.com
Bild(er):
Bild: Galeristin Giti Nourbakhsch beim Warm-up ihrer neuen Halle in Schöneberg, die sie im September bezieht
Bild: Viel Platz: Guido W. Baudach in seiner Galerie in Berlin-Wedding
Bild: Seit wenigen Monaten in Kreuzberg: Kunsthändler Johann König
