Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 78
Sprödes Museum
Von Almuth Spiegler
In einer MAK-Ausstellung inszeniert sich das böse Fräuleinwunder Österreichs WIEN: ELKE KRYSTUFEK
Sie gilt noch immer als das böse Paradefräuleinwunder der österreichischen Kunstszene. Elke Krystufeks Karriere begann vor etwas mehr als zehn Jahren mit Selbstverletzungen und öffentlichem Masturbieren ganz in der Tradition des Wiener Aktionismus, als dessen junge weibliche Fortsetzung sie gerne gehandelt wird. Mit all ihren manischen, schonungslosen Selbstporträts, Fotos, Collagen und Installationen wurde die 1970 geborene Wienerin schnell in die Schublade "Body Art" und "Performance" gesteckt. Diese will Krystufek im Museum für angewandte Kunst (MAK) nun ein für allemal schließen.
Dabei helfen ihr Hausherr Peter Noever, der diese Einzelschau ermöglichte, und Kuratorin Tulga Beyerle, die mit Krystufek die Ausstellung gemeinsam erarbeitet hat: in jenem fließenden, assoziativ-chaotischen Stil, welcher der Künstlerin eigen ist und auf den der Titel "Liquid Logic" verweist.
Im Mittelpunkt stehen diesmal nicht Krystufeks Körper und ihre Befindlichkeiten, sondern die historische Sammlung des Museums - und Bas Jan Ader, der niederländische Konzeptkünstler, der 1975 auf mysteriöse Weise im Atlantik verschwand. Krystufek lässt ihn wieder auferstehen: Der zentrale Film der Ausstellung zeigt Bas Jan Ader im Himmel, der wie die Osterinsel aussieht. Dort findet er verschiedene symbolische Objekte, die Krystufek bauen ließ und im MAK zeigt. Daneben gibt es Vitrinen voll von Ausstellungsstücken aus der MAK-Sammlung, die ihr die Kustoden zu verschiedenen, von ihr vorgegebenen Themen wie China, Perlenkette, Religion oder Heirat aus dem Depot geholt haben.
Eine Masse, die den Betrachter überfordern soll. "Krystufek penetriert das Museum auf mehreren Ebenen, mit Gesprächen, Recherchen und dem Kramen im Bauch des Hauses. Andererseits wehrt sich das Museum aber dagegen, ist spröde", erklärt Tulga Beyerle. "Dieses Projekt ist der Kampf der lebenden Künstlerin mit dem Museum."
Termin: 6. Dezember bis 1. April 2007. Katalog: Hatje, Cantz Verlag, zirka 35 Euro. Internet: www.mak.at
Acrylbild "Magic Places" (2005, 100 x 70 cm)
"Farewell to I'm too sad to tell you" (2006, 100 x 100 cm)
In der Hirnskulptur "Proper Use" (2005) wird die rationale Hälfte (links) derjenigen gegenübergestellt, die für Emotionen wie religiöse Gefühle verantwortlich ist - sie enthält 16 "Wortskulpturen", gerahmte Texte über Gott
