Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 80

Wachsbad für die schöne Oberfläche

Von Barbara Markert

Späte Ehrung für den jung gestorbenen Renaissancebildhauer im Louvre PARIS: DESIDERIO DA SETTIGNANO

Die Natur habe ihm "eine ausnehmende Anmut" und großen " Liebreiz" verliehen, und dadurch "sind bei ihm die Angesichter der Frauen und Kinder zart, weich und anmutig". So feierte der italienische Künstlerbiograf Giorgio Vasari (1511 bis 1574) den Bildhauer Desiderio da Settignano (um 1430 bis 1464), eines der herausragenden Talente der italienischen Renaissance-Bildhauerei.

Dennoch hat er nie die Berühmtheit eines Donatello oder eines Benvenuto Cellini erlangt. Was daran liegen mag, dass seine Karriere kaum zwölf Jahre dauerte und das Werk schmal ist. Der nahe Florenz geborene Künstler starb bereits mit Mitte 30. Um seinem Können nun eine späte Ehre zu erweisen, haben sich der Pariser Louvre, das florentinische Nationalmuseum Bargello und die National Gallery of Art in Washington zu einem Gemeinschaftsprojekt zusammengetan.

Die Museen zeigen eine Ausstellung von 25 Werken des Künstlers nach den Gattungen Büste, Skulptur und Relief unterteilt, also über die Hälfte seines Gesamtwerks.

Desiderio da Settignano, über den nur wenig bekannt ist, genoss bereits in jungen Jahren einen guten Ruf. Im Alter von nur 23 Jahren erhielt er den Auftrag für das Grabmal des Staatssekretärs Carlo Marsuppini in der Kirche Santa Croce.

Bereits hier zeigt sich, was später sein künstlerisches Kennzeichen wurde: Er ergänzte den damals üblichen humanistischen Ansatz in der Ausgestaltung durch große Finesse in der Dekoration. Seine Figuren besitzen Anmut und große emotionale Ausdruckskraft. Um der Oberfläche seiner Reliefs und Statuen besondere Delikatesse zu verleihen, glättete er den Marmor zusätzlich durch Wachsbäder.

Jenseits dieser beiden öffentlichen Aufträge fertigte Desiderio Basreliefs und Altaraufsätze für kirchliche Auftraggeber.

Bei privaten Kunden waren vor allem seine außerordentlich lebendigen Kinderbüsten begehrt, die seine Spezialität wurden und in seinem Werk eine zentrale Rolle spielen. Die wohl schönste von allen, "Lachendes Kind" aus dem kunsthistorischen Museum Wien, ist ein Höhepunkt der Pariser Ausstellung.

Termin: 27. Oktober bis 22. Januar 2007. Weitere Station: Museo del Bargello, Florenz, 22. Februar bis 3.

Juni 2007. Katalog: Verlag Musée du Louvre Editions/ 5 Continents, 35 Euro. Intenet: www.louvre.fr.