Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 81
Kokeln gegen den Kunstmarkt
Von Merten Worthmann
Eine Ausstellung in der Fundació Joan Miró konzentriert sich auf späte Großformate BARCELONA: JOAN MIRÓ
Ende der fünfziger Jahre hatte Joan Miró endlich Platz genug. Mit einem neu errichteten Wohn- und Arbeitskomplex auf Mallorca war dem spanischen Künstler (1893 bis 1983) ein alter Traum in Erfüllung gegangen: Er verfügte nun über eine ausgedehnte Atelierfläche, die es ihm auch erlaubte, viele Werke parallel in Angriff zu nehmen und auch monumentale Formate mühelos auszuführen.
Zu den ersten Gemälden, die Miró auf Mallorca fertigstellte, gehörten 1961 die drei Bilder der Reihe "Blau", je rund dreieinhalb mal zweieinhalb Meter groß, fast monochrome, minimalistische Kompositionen in leuchtendem Kobaltblau, mit wenigen schwarzen und roten Akzenten.
Im gleichen Jahr wurde Miró, längst ein internationaler Star, von einem französischen Magazin nach seiner derzeitigen künstlerischen Orientierung gefragt:
Immer klarer und reduzierter wolle er malen - und weiterhin im Großformat.
Die Fundació Joan Miró in Barcelona widmet dem malerischen Spätwerk des Künstlers nun eine Einzelausstellung.
Darin spielen Großformate tatsächlich eine zentrale Rolle. Doch deren Maße verdanken sich nicht allein den Möglichkeiten des Malers im Atelier. Miró hatte seit der Nachkriegszeit mehrmals riesige Wandbilder für den öffentlichen Raum entworfen und wollte vom individuellen Gestus hin zu einem eher universellen Ausdruck gelangen. Er ließ sich von japanischer Kunst inspirieren und erreichte zum Teil eine geradezu meditative Bildwirkung.
Manche Werke kombinieren Minimalismus und politischen Kommentar, wie die dreiteilige Arbeit "Die Hoffnung des zum Tode Verurteilten" von 1974, mit der Miró auf die letzte Exekution des Franco-Regimes Bezug nahm. Die rebellische Ader des Künstlers verhinderte zugleich, dass sich ein Schleier von Altersmilde über seine Bilder legte. Er entdeckte die Aggressivität der Farbe Schwarz neu, wollte mitunter mit dem ganzen Körper malen und kokelte in der Reihe "Verbrannte Leinwand", als Protest gegen den Kunstmarkt, sogar Teile seiner Bilder weg. Ein Alter Wilder, der erst starb, als schon die "Neuen Wilden" angetreten waren.
Termin: bis 25. Februar 2007. Gefördert von BBVA.
Internet: www.bcn.fjmiro.es
