Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 12
Wer unterhält sich da, Herr Notzold?
Von
DER NEW YORKER KÜNSTLER PAUL NOTZOLD WIRFT SPRECHBLASEN AUF HAUSWÄNDE IN DER GANZEN WELT
Wer will. Die Texte stammen von Leuten, die zufällig vorbeikommen. Auf Flugblättern fordere ich sie auf, mir ihre Texte per SMS zu schicken, die werden automatisch auf die Wand projiziert. Scheinbar unterhalten sich dann die Menschen hinter den Fenstern.
Zensieren Sie die Inhalte?
Nein, alles kommt rein. Beleidigendes ist auch mal dabei, aber das ist dann eben so. Die Menschen sollen ihre Geschichten erzählen.
Und was erzählen die Menschen so?
In New York haben sie sich über George W. Bush lustig gemacht.
In Peking haben sie sich gegenseitig ihre Liebe gestanden.
Keine Kritik am politischen System?
Nein, ich war auch erst enttäuscht. Gerade in China hatte ich etwas Politischeres erwartet, aber ein Freund hat mir erklärt, Liebeserklärungen fielen Chinesen generell sehr schwer. Dass sie dazu meine Installation benutzt haben, fand ich sehr schön.
Sie waren in Amsterdam, Hamburg oder Sacramento - wie entscheiden Sie sich für einen Ort?
Spontan. Wo ich bin, suche ich mir ein passendes Gebäude. Seit Mai bin ich auf einer Art kleiner Welttournee. Nur langsam geht mir das Geld aus, ich hoffe, ich finde noch Sponsoren.
Würden Sie noch mal nach Deutschland kommen?
Klar, gern! Jeder kann mir Städte und Gebäude vorschlagen.
Ich brauche nur eine dunkle Straße und eine Steckdose.
Infos und Vorschläge: www.txtualhealing.com
SMS-Botschaften in Brooklyn: Paul Notzolds "txtualhealing"
SMS-Botschaften in Brooklyn: Paul Notzolds txtualhealing
