Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 118

Aus Öl wird Blei

Von Ute Thon

London: Bei Auktionen bleiben deutsche Maler unverkauft

Sollte der gigantische Goldrausch der neu en deutschen Malerstars schon wieder zu Ende sein? Bei den Herbstauktionen in London konnte man zumindest diesen Eindruck gewinnen. Dort blieben Toplose von Neo Rauch, Matthias Weischer und Daniel Richter unverkauft, obwohl diese Künstler doch bislang so gefragt waren, dass ihre Galeristen Wartelisten führen.

Sotheby's hatte im Oktober für seine Versteigerung zeitgenössischer Kunst die Deutschen prominent ganz vorn im Auktionskatalog platziert. Neo Rauchs Bild "Stau" von 1999 zierte gar den Umschlag. Doch bei 160 000 Pfund (umgerechnet 239 000 Euro), weit unter dem Schätzpreis von 200 000 bis 250 000 Pfund (300 000 bis 373 000 Euro), stoppten die Gebote und Los Nummer vier blieb unverkauft. Ebenso erging es dem Gemälde von Matthias Weischer "Familie O - Mittag" (Schätz preis: 200 000 bis 300 000 Pfund/300 000 bis 448 000 Euro) und einem Werk von Eberhard Havekost, "Augenränder" (Schätzpreis:

80 000 bis 120 000 Pfund/ 120 000 bis 179 000 Euro). Auch bei Phillips ging ein Bild von Daniel Richter, "Irren Menschlich" von 1999, trotz des moderateren Schätzpreises von 70 000 bis 90 000 Pfund (105 000 bis 134 000 Euro) unverkauft zurück.

Marktbeobachter sehen bereits Anzeichen einer Preisbereinigung.

Wegen des anhaltenden Hypes hätten die Auktionhäuser die Schätzpreise für die deutschen Maler einfach zu hoch gesetzt, meint Marktexperte Marc Spiegler von der britischen "Art Newspaper".

Erst vor einem Jahr sei überhaupt ein Bild von Weischer bei einer Auktion aufgetaucht.

Das erzielte bei Christie's gleich einen Rekordpreis von 180 000 Pfund (damals 265 000 Euro) und löste damit eine Welle von Spe kulationsverkäufen aus. In den folgenden Monaten tauchten 18 Weischer- und 24 Rauch-Gemälde auf dem Auktionsmarkt auf. "Auch die Leipziger Schule ist nicht immun gegen die Dynamik des Marktes", sagt Spiegler.

"Doch das heißt noch lange nicht, dass ihr Marktwert jetzt total einbricht." Immerhin wurde ein anderes Weischer-Gemälde einen Tag nach dem Sotheby's- Desaster bei Christie's für stattliche 180 000 Pfund (269 000 Euro) verkauft.

Generell verzeichneten die Auktionhäuser wieder Rekordumsätze, nicht zuletzt weil andere Trendkunst, zum Beispiel aktuelle Kunst aus China, reißenden Absatz fand.