Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 116
Von Shakespeare bis Thatcher
Von Hans Pietsch
Jubiläum: Londons National Portrait Gallery wird 150 Jahre alt
Über dem Eingang zur National Portrait Gallery hängen die Büsten der drei Männer, die vor 150 Jahren ihre Gründung durch setzten: der königliche Beamte Earl Stanhope und die Historiker Thomas Babington Macaulay und Thomas Carlyle. Am 2. Dezember 1856 erließ die Regierung ein Dekret, das die Einrichtung des Museums bestätigte.
Knapp ein Jahr später kamen die ersten Besucher, um die Koryphäen der Nation gebührend zu bewundern:
Generäle, Staatsmänner, Künstler, Wissenschaftler, vom ausgehen den Mittelalter bis zur Gegenwart. Das erste Porträt, welches das Institut erwarb, war von William Shakespeare.
1896 zog das Museum neben die National Gallery, mittlerweile besitzt es mehr als 330 000 Werke und zieht jährlich über 1,5 Millionen Besucher an. Die historische Bedeutung der Porträtierten ist wichtiger als die künstlerische Qualität der Bilder. Dass deshalb neben Malern wie Holbein, van Dyck oder Gainsborough auch Zweitrangiges zu sehen ist, ficht Museums-Direktor Sandy Nairne nicht weiter an: "Ein Porträt ist eben Produkt seiner Zeit." Das ganze Jubiläumsjahr 2006 über wurde mit etlichen großen Sonderausstellungen gefeiert. Die Auflage, dass die Porträtierten (mit Ausnahme der königlichen Familie) mindestens 10 Jahre lang tot sein müssen, ehe ihr Konterfei in die Sammlung aufgenommen wer den kann, besteht seit 1969 nicht mehr: Seither sind mehr als 150 Porträts von noch lebenden Persönlichkeiten in Auftrag gegeben worden, von Margaret Thatcher bis zum Physiker Stephen Hawking. Und auch die Sammeltätigkeit geht weiter: Gerade wurde für zwei Millionen Pfund ein Porträt des Renaissance- Dichters John Donne erstanden.
