Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 119

"Man muss Risiken eingehen"

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Messerummel: Zwölf Ausstellungen und fünf Messen im Jahr - wie schafft das ein Galerist? Gespräch mit Martin Klosterfelde

Heute kommt keine Galerie mehr ohne Messebeteiligung aus. Doch die Kojen auf der "Art Cologne", der "Frieze" in London oder der "Art Basel Miami Beach" sind teuer. Und ob sich entsprechende Verkäufe einstellen, ist ungewiss. art-Korrespondent Hans Pietsch sprach in London mit Martin Klosterfelde, der mit seiner Berliner Galerie jährlich auf fünf Messen geht, über Freud und Leid des modernen Jetset-Galeristen.

Herr Klosterfelde, das Magazin "Art + Auction" hat ausgerechnet, dass die Teilnahme an einer Messe wie der "Frieze" eine Galerie rund 100 000 Dollar kostet.

Können Sie sich das leisten?

Mich hat diese Woche in London 40 000 Euro gekostet. Doch ich bin zufrieden. Ich habe seit Jahren keine Messe mehr gemacht, auf der ich kein Geld verdient habe.

Vorher waren Sie schon in Berlin auf dem "Art Forum" und als nächstes geht es zur "Art Basel" nach Miami. Das sind drei teure Messen in drei Monaten.

Bei solchen Messen auf Plus-Minus- Null zu kommen, ist nicht mehr das Problem. Es ist eher die Frage, habe ich wirklich gute Sachen zu zeigen? Man muss sehr genau planen, was man auf welcher Messe zeigt. Und man muss immer Risiken auf sich nehmen.

Wenn man anfängt, auf Nummer Sicher zu machen, wird es un interessant.

Leidet die Galeriearbeit in Berlin nicht darunter, wenn Sie ständig unterwegs sind?

Ich mache das ja nicht allein. Ich habe gute Mitarbeiter. Natürlich ist man viel unterwegs, denn der Markt ist schon seit Jahren global.

Aber trotzdem verbringen wir auch sehr viel Zeit und Energie, gute Ausstellungen in Berlin zu machen. Wir haben zwölf Ausstellungen gemacht und fünf Messen.

Das ist viel, da ist man am Anschlag.

Braucht man bei diesem globalen Kunstmarkt überhaupt noch eine Galerie?

Aber selbstverständlich! Künstler bindet man über eine Galerie, nicht über eine Messe. Und gute Sammler bindet man durch gute Ausstellungen in der Galerie.

Haben die verschiedenen Kunstmessen eigentlich verschiedene Funktionen?

Für mich auf jeden Fall. Zur "Art Basel" kommt jeder, der kann.

Bei der "Frieze" geht immer alles ein bisschen jünger, hipper zu.

Hier sieht man Madonna, hier sieht man Claudia Schiffer, hier sieht man Jude Law, das ist ganz wichtig für die Londoner Gesellschaft.

Nach Miami kommen die Europäer sehr gerne, es sind viele Lateinamerikaner da und die Vertreter aller amerikanischen Museen. Dort würde ich also nicht so viel Junges zeigen. Zum "Art Forum" nach Berlin wiederum kommen alle, die sich gerade für junge Kunst interessieren.

So hat jede Messe ihr eigenes Profil, ihr eigenes Klientel, ihr eigenes Tempo.

Heute London, morgen Miami: Martin Klosterfelde auf der "Frieze Art Fair"

Heute London, morgen Miami: Martin Klosterfelde auf der Frieze Art Fair

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