Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 113
Auszug der Naiven?
Von Adrienne Braun
Museum: Der Sammlung Zander in Bönnigheim droht das Aus
Die Miete ist nicht das Problem: Einen Euro zahlt Charlotte Zander symbolisch für ihre Ausstellungsräume im Bönnigheimer Schloss. Vor zehn Jahren hat die Kunstsammlerin hier ein Museum eröffnet, in dem sie ihre Schätze zeigt: Art Brut und die Kunst der Naiven. Doch außer der Miete hängen sämtliche Verpflichtungen an Zander: Die Gehälter für die beiden Kuratorinnen und die sechs Aufsichtskräfte, Versicherungen, Strom, Müllabfuhr. Nun hat sie genug.
Entweder, es findet sich bis Ende 2006 jemand, der die Sammlung für 30 Millionen Euro komplett übernimmt und unterhält - oder die 76-jährige Museumschefin will ihre Kollektion stückweise verkaufen. "Im fernen Orient, China, Japan und Osteuropa ist man hoch interessiert an dieser europäischen Kunst", sagt sie.
Zwar läuft der Mietvertrag mit der Gemeinde Bönnigheim noch bis 2010, aber "ob es das Museum im nächsten Jahr noch gibt, kann ich nicht sagen", so Charlotte Zander.
Mehr als 4000 Werke - Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen - um fasst ihre Sammlung.
Die Ex-Galeristin begann in den sechziger Jahren anzukaufen und hat unter anderem Werkblöcke von Henri Rousseau, André Bauchant, Camille Bombois oder Séraphine zusammengetragen.
Auch der schizophrene Gesamtkunstwerker Adolf Wölfli und die Maler der Psychiatrie Gugging sind vertreten.
Beim Einzug in die 43 Räume des Barockschlosses habe man ihr versprochen, dass das Land die Sammlung eines Tages übernehmen werde. Doch nichts sei passiert. Bürgermeister Kornelius Bamberger beteuert zwar: "Die Sammlung ist unsere Aushängeschild." Aber das Land habe klipp und klar erklärt, dass es kein Geld habe, das Museum zu übernehmen und auch für die 7500 Einwohner zählende Gemeinde sei das "unmöglich".
Im Barockschloss von Bönnigheim zeigt Charlotte Zander (rechts) ihre Kunstschätze
Architektur / 'Bönnigheim' / 'Museum für Naive Kunst und Art Brut'
