Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 112
Bundesstiftung Baukultur: Die Expertenrepublik versorgt sich selbst
Von Till Briegleb
KOMMENTAR
Braucht Deutschland eine Bundesstiftung für abstrakte Malerei, eine für den Schwarzweiß- Film oder für Frauenkunst? Ganz sicher nicht. Wozu aber braucht das Land eine Bundesstiftung Baukultur, wie sie jetzt in Potsdam aufgebaut wird? Um Regierung und Volk endlich Geschmack beizubringen?
Um zu erklären, warum Rem Koolhaas ein besserer Architekt ist als Meinhard von Gerkan?
Oder vielleicht doch nur, um einen wirkungslosen Fachkongress zu organisieren, auf dem sich Beamte, Architeken und Politiker als Baukultur-Experten aufführen dürfen? Für viel mehr hat die neue Institution nämlich kein Geld. Und da alle Regierungen, Verbände und Fachkräfte Mitglied in den Stiftungsgremien sind, wird es in dem Club weder Unabhängigkeit noch Streit geben. Das Einzige, was die neue Institution bereits im Vorfeld am Fließband produziert, sind Thesen. Dafür sollte man lieber eine Bundesthesenstiftung gründen. Die kann sich dann auch um alle anderen Fragen mitkümmern.
