Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 115

Magenproblem

Von Kerstin Schweighfer

Mondrian II: Briefe von "Uncle Piet" in den USA entdeckt

Gesundheitlich geht es mir wie der etwas besser", schrieb Piet Mondrian (1872 bis 1944) am 10. September 1943. "Auch die Bronchitis, die mich fast ein Jahr lang gequält hat, hat sich gebessert. Außerdem hatte ich e und eine Zahnoperation." Diese detaillierten Einblicke in seinen Gesundheitszustand gewährte der niederländische Künstler, der fünf Monate später an den Folgen einer verschleppten Erkältung und Lungenentzündung sterben sollte, seinem Kollegen Gerard Hordijk (1899 bis 1958), mit dem ihn Zeit seines Lebens eine enge Freundschaft verband. Einige seiner Briefe an Hordijk wurden nun zufällig in einer verfallenen Villa rund 50 Kilometer nördlich von New York gefunden.

Dort hatte Hordijks Sohn John bis zu seinem Tod gelebt. Zwei US-Anwälte wurden mit der Räumung der Villa beauftragt und entdeckten auf dem Dachboden Kisten und Koffer voller Gemälde und Zeichnungen von Hordijk senior. Über das Internet stießen sie auf Marcel Gieling, einen auf Hordijk spezialisierten Utrechter Kunsthändler. Der stieg ins nächste Flugzeug, als er hörte, dass es sich um mehr als 200 Werke handelte.

In einem der Koffer entdeckte Gieling eine Sammlung von acht Karten und Briefen, die sich als von Piet Mondrian entpuppte; geschätzter Wert: mindestens 20 000 Euro.

"Ein ganz besonderer Fund!", freut sich Direktor Rudi Ekkart vom Reichsbüro für Kunsthistorische Dokumentation (RKD) in Den Haag. Zwei Unternehmen aus Mondrians Geburtsstadt Amersfoort haben sie für einen unbekannten Betrag angekauft und dem Mondrian-Haus geschenkt.

Der Fund wirft neues Licht auf Mondrian. So etwa war der Künstler ein viel warmherzigerer Mann als bislang angenom men wurde:

Fast nie vergisst er am Ende des Briefwechsels, Hordijks Kinder zu grüßen und nennt sich selbst "Uncle Piet".

KERSTIN SCHWEIGHÖFER