Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 114

Nein zur Kunst

Von Almuth Spiegler

Salzburg: Christoph Büchels Volksbegehren wird Politikum

Kräftig die eigene Suppe versalzen hat sich der Schweizer Künstler Christoph Büchel in Salzburg. Im Rahmen des Festivals zur Kunst im öffentlichen Raum "Kontracom" diesen Sommer erlaubte sich der Künstler einen Jux mit den konservativen Geistern in der Mozartstadt. Büchel schien ihnen beizupflichten und startete die Unterschriftenaktion "Salzburg bleib frei!", bei der jeder Bürger gegen zeitgenössische Kunst in Salzburgs Innenstadt unterschreiben konnte.

Nur die wenigsten der Unterschreibenden wussten, dass sie dabei selbst Teil des kritisierten Kunstfestivals wurden.

Nun ist aus der ironischen Aktion reale Politik geworden. Die anonymen "Assistenten" Büchels reichten im Oktober bei den Salzburger Behörden die nötigen 2000 Unterschriften ein, um ein offizielles Bürgerbegehren gegen Kunst in Salzburgs Innenstadt einzuleiten. Im Dezember müssen jetzt Eintragungslokale eingerichtet werden, in denen offiziell die Stimme abgegeben werden kann. Das Ergebnis ist zwar nicht bindend, muss aber im Gemeinderat besprochen werden - ein bürokratisches Verfahren, das 40 000 Euro kostet.

Dementsprechend sauer ist Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden: "Wir waren alle überrascht, dass Büchel es wirklich auf ein Bürgerbegehren anlegt. Rückblickend gesehen wurde er also von Kontracom dafür bezahlt, dass er auf Kontracom losgeht." Denn als Konsequenz, so Heinz Schaden, wird das junge, von Stadt und Land subventionierte Festival bei seiner zweiten Ausgabe ohne bildende Kunst stattfinden:

"Wir kehren zum Ausgangspunkt zurück, zu einer Biennale für zeit genössische Musik." Büchel selbst scheint das wenig zu interessieren, er ist in dieser Angelegenheit nicht mehr erreichbar.