Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 88
Schautafel-Wald
Von Almuth Spiegler
WIEN: ... UND SO HAT KONZEPT NOCH NIE PFERD BEDEUTET
Fazit einer Schau in der Generali Foundation: Konzeptkunst krankt noch immer an der sinnlichen Vermittlung. Idee, Recherche, Dokumentation, Idee, Recherche, Dokumentation, Idee ... So nüchtern hat Konzeptkunst auszusehen.
Ein Vorurteil, das die Generali Foundation gerne widerlegt hätte. Doch die nach einem Zitat von Daniel Buren benannte Ausstellung "... und so hat Konzept noch nie Pferd bedeutet" beweist leider eher das Gegenteil. Auch die Künstlergeneration nach den Gründervätern der sechziger Jahre liebt es nicht sinnlicher. Es ist mehr eine inhaltliche als ästhetische Entwicklung, die der von Generali-Chefin Sabine Breitwieser und Kuratorin Cosima Rainer zusammengestellte Mix aus historischen und jüngeren Positionen erkennen lässt.
Außerdem ist festzustellen, dass Konzeptkunst heute mehr von Künstlergruppen als von männlichen Einzelpersonen praktiziert wird. Das mag daran liegen, dass Gruppenarbeit kompliziertere Recherchen zulässt - etwa die tabellarische Begriffsanalyse der Berichterstattung zum Prozess des Wiener Aktionisten und Kommunen-Gründers Otto Mühl 1991, die Dorit Margreiter, Florian Pumhösl, Hans Küng und Mathias Poledna durchführten. Die plakativen Auflistungen von Namen und Benennungen sind allerdings zu losgelöst und reduziert, um informativ zu sein - was wohl intendiert war, um die aufkeimende Sensationslust zu demaskieren.
Doch schnell ertappt man sich dabei, unbefriedigt nach den wegrationalisierten Zusammenhängen zu heischen.
Ganz im Unterschied zum sehr konkreten Schautafel-Wäldchen des deutschen Künstler-Duos Alice Creischer und Andreas Siekmann, die den "Atlas Gesellschaft und Wirtschaft" von 1930 aktualisiert haben. Anhand einer plakativen Fäuste-Symbolik kann so etwa die Häufigkeit von Streiks zwischen 1913 und 2001 abgelesen werden - simpel, aber umso eindringlicher.
Und dann gibt es noch eine üppige Lesezone. Sie ist ausgestattet mit Sperrholztischen und Schaufenster puppen- Regalen von Heimo Zobernig und dominiert räumlich den Rest der Ausstellung. Denn Konzeptkunst hat zwar noch nie Pferd bedeutet, aber schon immer vor allem eins: Lesen.
Termin: bis 17. Dezember.
Internet: http://foundation.generali.at
