Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 91

Vater-Komplex

Von Claudia Bodin

NEW YORK: PICASSO AND AMERICAN ART

Nie setzte Picasso einen Fuß auf US-Boden - allgegenwärtig war er dennoch - jetzt im Whitney. Amerikas Künstler diskutierten je den seiner Pinselstriche. Wie sie sich an dem Übervater rieben, ihm nachtrabten oder sich von ihm befreiten, ist das Thema der Ausstellung des Whitney Museum. Bei Jackson Pollock oder Willem de Kooning ist zu spüren, wie ihnen der Spanier Flügel verlieh. Zu den Höhepunkten gehört Arshile Gorkys Selbstporträt "The Artist and His Mother" (um 1926/36) nach Picassos "Woman in White" (1923). Die rund 40 Picassos, die herrisch neben den Nachahmern hängen, vermitteln zwar den Eindruck, man käme der amerikanischen Moderne auf die Schliche. Doch die amerikanischen Söhne des Spaniers wollten "Teil der Diskussion sein", nicht ihr Idol übertrumpfen, wie Kurator Michael FitzGerald im Katalog analysiert.

Deswegen sollten sie auch nicht so neben dem Meister vorgeführt werden.

Termin: bis 28. Januar 2007. Katalog: Yale University Press, 50 Dollar. Internet: www.whitney.org