Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 136

Aus tiefster Seele

Von Alfred Nemeczek

20. JAHRHUNDERT

Ein Geschichtsbuch zum Surrealismus. "Absoluter Nonkonformismus, totale Respektlosigkeit und beste Laune", so erinnerte sich der Dichter Antonin Artaud, bestimmten um 1924 das subversive Klima bei einer Gruppe von Pariser Künstlern, die sich Surrealisten nannten. Unter der autoritären Leitung des Schriftstellers André Breton vereinte sie bis 1945 Maler, Bildhauer und Literaten, Filmemacher und Fotografen, denen der Kubismus zu schroff und die Dada-Bewegung zu kunstfeindlich gewesen war. Was sie anstellten, um mit Hilfe der Seelenkräfte des Unbewussten nicht allein die Kunst ihrer Zeit, sondern auch Politik und Alltagsleben zu revolutionieren, schildert der Kunsthistoriker Uwe M. Schneede, von 1991 bis 2006 Direktor der Hamburger Kunsthalle, in einem fakten- und anekdotenreichen Geschichtsbuch.

Mit Register und ausführlicher Chronik taugt es zugleich als Nachschlagewerk über die Protagonisten der Gruppe, darunter Max Ernst, Salvador Dalí, René Magritte, Joan Miró, André Masson, Man Ray, Meret Oppenheim, Luis Buñuel. Der Surrealismus, resümiert Schneede, prägte das 20. Jahrhundert "wie keine andere künstlerische Bewegung".

Bildunterschruft:

Max Ernst: "Der Hausengel" (1937)

Uwe M. Schneede: Die Kunst des Surrealismus.

Verlag C. H. Beck. 266 S., 121 Abb., 29,90 Euro