Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 138
Mythos Manhattan
Von Ute Thon
KULTURGESCHICHTE
New York als Brutstätte cooler Gegenwartskunst: Das klingt so logisch, dass man gar nicht mehr nachzufragen wagt, wie das alles mal angefangen hat. Deshalb lohnt die Lektüre von Jed Perls gewichtigem Erinnerungsbuch. Darin beschreibt der Kunstkritiker des "New Republic" anschaulich die New Yorker Szene von 1945 bis 1975, als Künstler wie Jackson Pollock, Jane Freilicher oder Donald Judd nach frischen Ausdrucksformen suchten. Dabei räumt er auch mit dem Mythos auf, dass die US-Avantgarde der europäischen Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg eine Generalabsage erteilte. Statt dessen zeigt Perl den nachhaltigen Einfluss auf, den Künstler wie Josef Albers, Piet Mondrian oder Hans Hofmann auf die Entwicklung der amerikanischen Kunst hatten.
Dass der Autor Abstrakten Expressionismus und Minimalismus höher bewertet als den Exportschlager Pop Art, sollte man ihm nachsehen. Dafür würdigt Perl unbekanntere Kunst-Protagonisten wie den Fotografen Rudy Burckhardt oder den Maler Fairfield Porter.
