Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 138

Weit verzweigt

Von Boris Hohmeyer

KULURGESCHICHTE

Die Liebermanns: eine Berliner Familiengeschichte. Dass Max Liebermann Maler war, erscheint uns selbstverständlicher, als es ist. Denn die Liebermanns zählten zum jüdischen Berliner Großbürgertum, künstlerische Neigungen waren da eher nicht eingeplant. Regina Scheer folgt der Familiengeschichte über sechs Generationen, vom 18. Jahrhundert bis zu den verzweifelt vergeblichen Versuchen der Malerwitwe Martha, den Nationalsozialisten zu entkommen.

Sorgsam zeichnet die Autorin die Verästelungen und Beziehungen der großen Familie nach, zu der auch der AEG-Gründer Emil Rathenau und sein 1922 als Außenminister ermordeter Sohn Walther gehörten. Bald schwirrt einem der Kopf vor Namen (das Register führt allein 75 Liebermanns auf!), doch eben diese Fülle macht das Buch zur vielfarbigen Berlinchronik - lebendig, angenehm quellenkritisch und auch ein bisschen pathetisch erzählt, durchsetzt mit Anekdoten und Rückblicken aus heutiger Perspektive.