Ausgabe: 12 / 2006
Seite: 138
Feldforschung
Von Axel Hecht
KULTURGESCHICHTE
Tatort Museum. Ach, würde der Band doch das Versprechen einlösen, das sein Titel gibt: sonderbare Museumsbesuche. Ein jeder, der sich gern verführen lässt zu ungewohnten Begegnungen in den längst nicht immer heiligen Tempeln der Kunst, muss neugierig werden. Walter Grasskamp, Kunstkritiker und Professor für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in München, hat Belege gesammelt, wie häufig das Museum in der Literatur als Tatort, als Kulisse, als Fluchtpunkt vorkommt.
Doch weil dem Herausgeber beim Sammeln die Disziplin abhanden kam, ist aus der angestrebten Anthologie ein zuweilen ermüdendes Medley geworden, in dem Brillantes von Nebensächlichem, Sinnstiftendes von Langatmigem überwuchert wird.
Zugegeben, die Gefahr liegt nahe, wenn man die von Johann Wolfgang Goethe über Ingeborg Bachmann bis zu Cees Nooteboom betreibt; und wenn man unter die hellsichtigen oder poetischen Texte eines Arno Schmidt oder Günter Kunert banale Meldungen aus dem Tagesjournalismus mischt, dann droht das Unternehmen zu scheitern. Da helfen die Bemühungen Grasskamps auch nicht, die sperrigen Elemente durch eigene, meist wohl gelungene Texte zu verbinden.
Jean-Luc Godard: "Die Außenseiterbande"
Walter Grasskamp (Hrsg.):
Sonderbare Museumsbesuche.
Verlag C. H. Beck.
302 S., 16 Abb., 19,90 Euro
