Ausgabe: 06 / 2005
Seite: 130

Nachgefragt

Von

Michael Triegel, 36, malte Jesus Christus nackt und bloß. Ein Sammler stiftete das 2002 entstandene Auferstehungsbild des Leipziger Künstlers dem Würzburger Museum am Dom. Doch Bischof Friedhelm Hofmann ließ das Werk abhängen - weil es das Schamgefühl der Gläubigen verletze.

art: Hat es mittlerweile eine offizielle Stellungnahme des Bistums gegeben?

Triegel: Nein. Mein offener Brief an Bischof Hofmann blieb unbeantwortet.

Warum zeigen sie Christus völlig nackt?

Das ist ja kein neuer Topos - schon Michelangelo hat das dargestellt. Christus kommt zu uns als zweiter Adam, als Erlöser, der die Sünde zurücknimmt. Wäre er angezogen, hieße das ja, der Sündenfall hätte funktioniert.

Sind Sie religiös?

Nein. Meine Werke mit christlichen Themen sind Zeichen der Sehnsucht nach dem, was ich selbst nicht habe.

Setzen Sie sich gegen diesen Zensurakt zur Wehr?

Nicht wirklich. Den größten Affront hat ja der Stifter auszuhalten. Wir wollten aber nicht so tun, als ob nichts sei. Darum hat der Kurator des Museums die Stelle bis heute unbesetzt gelassen. Man sieht die leeren Haken in der Wand, daneben die beiden anderen Bilder aus meinem Zyklus: die Kreuzigung und die Grablegung.

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