Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 111
Ein Verhör mit Picasso
Von
Theater: New Yorker Premiere für Zwei-Personen-Stück
Über Pablo Picasso (1881 bis 1973) sind unzählige Bücher geschrieben und Filme gedreht worden. Nun hat ein Theaterstück seine New Yorker Premiere, in dem der berühmte spanische Maler im Mittelpunkt steht. "A Picasso" ("Ein Picasso"), so der Titel des Zwei-Personen-Stücks, spielt 1941 während der deutschen Besatzungszeit in Paris. Picasso wird von der Gestapo zum Verhör geladen. Er soll die Echtheit dreier beschlagnahmter Bilder bezeugen.
Das Verhör führt eine schöne Blondine, die früher Kunstkritikerin war und die jetzt für die deutschen Besatzer arbeitet. Sie braucht unbedingt ein echtes Picasso-Gemälde, um es auf einer von den Nazis organisierten Vernichtungsaktion von "entarteter Kunst" verbrennen zu lassen. Der Künstler wiederum, bekannt für seine antifaschistische Gesinnung, versucht mit Charme und List seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und gleichzeitig seine Bilder zu retten. Auf die Frage etwa, ob er die "Mona Lisa" kopieren würde, antwortet der Meister der Gestapo-Frau kess: "Ja, aber sie würden sie nicht wiedererkennen."
Die Handlung ist reine Fiktion. Autor Jeffrey Hatcher hatte die Idee zum Stück, als er auf eine Zeitungsnotiz stieß, in der von einer Bilderverbrennung 1941 in den Pariser Tuilerien die Rede war, bei der angeblich auch ein Werk von Picasso in Flammen aufging. Das Thema habe ihn gereizt, weil es eine der wenigen "zwielichtigen" Seiten im sonst so ausführlich erforschten Leben des Superstars Picasso behandele.
Premiere hat das Zwei-Personen-Stück am 31. März auf der New York City Center Stage an der 55. Straße, nur zwei Blocks vom berühmten Museum of Modern Art entfernt, wo die echten Picassos hängen. UTE THON
Bild(er):
Bild: Vor echtem Picasso: der amerikanische Autor Jeffrey Hatcher
