Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 109
Veränderungen unerwünscht
Von
Ausstellung: 11. Triennale von Neu Delhi ganz traditionell
Change - No Change" schrieb der österreichische Konzeptkünstler Leo Zogmayer in großen Lettern auf die Fassade des zentralen Ausstellungspavillons der 11. Triennale von Neu Delhi, die im Februar zu Ende ging. Ein treffender Kommentar. Denn auch bei dieser Ausgabe der am Höhepunkt der Hippie-Bewegung 1968 gegründeten Indien-Triennale für zeitgenössische Kunst wurde wieder heiß über Veränderungen diskutiert: Eine Biennale wäre dynamischer; als Ergänzung zu den Länderbeiträgen fehle eine große Gruppenausstellung; und außerdem sei die Auswahl des indischen Beitrags zu konservativ und zu wenig objektiv. Das jedenfalls meint eine Gruppe - nicht teilnehmender - indischer Ausstellungsmacher, Kunstkritiker und Künstler wie Vivan Sundaram und Ranbir Kaleka.
Nur, von "Change", von einer Öffnung hin zu einer jungen, kritischen Kunstszene will der Triennale-Veranstalter, die staatlich finanzierte "Lalit Kala Akademie", die Künstler fördern soll und Subventionen vergibt, nicht viel wissen. So gab die 11. Triennale eben nicht, wie ursprünglich einmal gedacht, einen Überblick über die relevante asiatische oder indische Kunstproduktion. Indien, das den größten Platz beanspruchte, zeigte nämlich hauptsächlich traditionelle Malerei und Skulptur von 49 "senior artists". Weitere 33 Staaten von Argentinien bis Zypern waren mit von der Partie, aber nur mit Künstlern aus der zweiten und dritten Riege. England, Frankreich und die Bundesrepublik bildeten Ausnahmen. Deutschland konnte mit Andreas Siekmann (Jahrgang 1961) sogar einen der zehn Preise der Triennale einheimsen. Eine kleine Überraschung, besitzen die Filzstiftzeichnungen des Berliner Künstlers über globale Wirtschaftsbeziehungen doch kritische Kraft. ALMUTH SPIEGLER
Bild(er):
Bild: In Indien ausgezeichnet: Arbeit des Berliner Künstlers Andreas Siekmann
