Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 112

NEUE KATALOGE

Von

Beat Zoderer. Die Linie und ihre Folgen. Seine Materialien findet der Schweizer Beat Zoderer in Baumärkten, Textilgeschäften, Läden für Bürobedarf und anderen kunstfremden Geschäften: Was er aus Gummibändern, Haftetiketten, Aktenordnern, Wollfäden, Filz und anderen Dingen zaubert - Bilder, Objekte, Installationen, die sich mit der ungegenständlichen Formensprache der konkreten Kunst befassen - ist in einem ganz kleinen, aber sehr feinen Katalogbuch des Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum nachzuschauen. Der Clou: eine Collage in Form eines Leporello, das die komplette, 240 Meter messende Stahlrohr-Skulptur "Eine Lange Weile von A nach B" verkleinert wiedergibt (Wienand Verlag. 64 S., 15 Euro).

Utopie und Wirklichkeit. Ostdeutsche Fotografie 1956-1989. Ein seltenes Phänomen der Kunstgeschichte: Die Epoche ist abgeschlossen, doch die Protagonisten sind noch quicklebendig und äußern sich im Interview. Tatsächlich wirken auch die in diesem, anlässlich einer Ausstellung im Kölner Forum für Fotografie erschienenen Band versammelten Aufnahmen schon heute wie Relikte aus einer sehr fernen, fremden Zeit. Dies umso stärker, als Farbfotografie hier völlig fehlt, ebenso wie leider die wilde, experimentierfreudige Szene der nach 1960 Geborenen (Kettler Verlag. 196 S., 124 Abb., 34,80 Euro).

Taschen Collection. Das Buch zur Madrider Schau der Privatsammlung von Benedikt Taschen ist so opulent geraten, wie es bei dem Verleger zu erwarten war. Doch die Werke von Jeff Koons oder Albert Oehlen rechtfertigen solch ein Großformat mühelos - denn Taschen hat gezielt Bilder der Überwältigung gesammelt wie die Fotoarbeit "Grand Canyon" von Julius Shulman (Taschen Verlag. 254 S., über 250 Abb., 49,99 Euro).

Formalismus. Moderne Kunst, heute. Yilmaz Dziewior hat etwas losgetreten, das lange überfällig war: eine Befragung der Form auf ihre inhaltliche Kompetenz. Statt überall präsenter gefälliger Malerei zeigte der Direktor des Hamburger Kunstvereins junge Positionen, die das autonome Vokabular der Moderne aufgreifen und in neue Zusammenhänge stellen. Der Katalog zur Schau ist ein wichtiges Nachschlagewerk zur etwas anderen Kunst der Gegenwart (Hatje Cantz Verlag. 244 S., 92 Abb., 25 Euro).