Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 113
Schön, aber schon historisch
Von
BUCH DES MONATS / Zwischen Ewigkeitsanspruch und Tagesjournalismus: Ein Prachtband feiert die unfertige Berliner Museumsinsel
Zierliche Kaffeetische könnten unter diesem Wälzer zusammenbrechen. Das ist schade, denn eigentlich eignen sich die Fotostrecken des neuen Bandes über die Berliner Museumsinsel wunderbar zum genussvoll-entspannten Blättern. Im vorderen Teil fasziniert eine Sammlung historischer Ansichten, weiter hinten macht eine Folge mustergültig ruhig gestalteter Bildtafeln vom altägyptischen Affengott bis zu Max Beckmanns "Kleiner Sterbeszene" erfahrbar, welch einzigartiges Universalmuseum die fünf Häuser im Herzen von Berlin zusammen bilden.
Genauer: einmal bilden sollen - bekanntlich bleibt die Insel noch auf viele Jahre eine Baustelle. So ist hier vieles Momentaufnahme oder Versprechen, und der Prachtband changiert eigenartig zwischen Ewigkeitsanspruch und Tagesjournalismus. Bis zur Unschärfe vergrößerte, dennoch eindrucksvolle Luftbilder vom Sommer 2003 etwa halten Bauphasen fest, die bereits wieder historisch sind (wenngleich nicht so historisch wie das Titelbild von 1994).
Viel erfahren die Leser über die Geschichte wie auch über die Zukunft der Insel. Doch in Berlin wechseln Pläne und Prognosen derart rasch, dass die 20 Autoren einander manchmal widersprechen. Leider nutzt der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, seine streckenweise eleganten Analysen der geistigen Geschichte der Insel, um am Ende kühn seine eigene Baupolitik als einzig logische Konsequenz der Vergangenheit zu feiern. Da wird deutlich, was dieser Band eben auch ist: der gewichtigste Werbeprospekt, den je ein Museum herausgebracht hat. BORIS HOHMEYER
Bild(er):
Bild: Die Berliner Museumsinsel: ehrgeiziges Vorhaben im Herzen der Hauptstadt
Bild: Museumsinsel Berlin. Hrsg.: Peter-Klaus Schuster und Christina Ines Steingräber. DuMont Literatur und Kunst Verlag. 512 S., 550 Abb. 64 Euro
