Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 106
Mit Sushi und Hip-Hop auf Kundenfang
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Kunstmarkt: Nachwuchssammler auch in den Niederlanden heiß umworben
Man trifft sich zu Sushi und Sake, um Einsicht zu gewinnen in asiatisch inspirierte holländische Gegenwartskunst. Oder man nippt zusammen mit New Yorker Künstlern exotische Cocktails und unterhält sich zu den Klängen von Hip-Hop-Musik über Graffiti-Kunst: "Es ist immer sehr anregend und gesellig", weiß der Amsterdamer Anwalt Alexander Odle. Eigentlich sei er mit seinen 41 Jahren zu alt: "Aber ich häng' mich immer an meine Frau dran, die ist noch unter 40!"
Denn wer als "New Collector" beim monatlichen "Friday Club" von Sotheby's Amsterdam mitmischen will, muss jünger als 40 sein: "Es geht um den Sammler von morgen", erklärt Sprecherin Diana Ridderikhoff. "Wir wollen informieren, aufklären und die Hemmschwelle senken." Der Friday Club zählt inzwischen fast 1000 Mitglieder und ist eine von vielen Initiativen, mit denen Aktionshäuser und Kunstmessen in den Niederlanden um die Gunst der Nachwuchssammler buhlen: "Unsere Kundschaft muss verjüngt werden", so Ridderikhoff.
Vorbild sind die Vereinigten Staaten und Großbritannien: Bei Christie's in London gibt es die "Christie's Contemporary Collectors", kurz CCC genannt, beim Guggenheim Museum in New York den "Young Collectors Council" und beim Metropolitan den "Apollo Circle". Diesem Trend folgend organisieren niederländische Kunstmessen wie "Pan" und "Rai" "Tage für Jungsammler" oder Partys für junge Leute, so genannte "Jongerenborrels". Bei der "Rembrandtvereinigung" in Amsterdam, die Museen beim Ankauf von Kunstwerken finanziell unterstützt, kann man nach New Yorker Vorbild Mitglied im "Titus Cirkel" werden. Hier ist Alexander Odle aktiv als Vorsitzender der Ankaufskommission. Denn in diesem illustren Kreis darf man etwas älter sein: "Wir gehen einen Schritt weiter und suchen die Mäzene unter den Nachwuchssammlern."
Die Mitglieder - inzwischen rund 80 - verpflichten sich, fünf Jahre lang jeweils 1000 Euro zu spenden, um dann damit einem bestimmten Museum einen bestimmten Ankauf zu ermöglichen. Diesen Betrag kann man zwar von der Steuer absetzen, so Odle, "doch trotz fiskaler Vorteile können sich die meisten das erst ab 40 leisten." KERSTIN SCHWEIGHÖFER
Bild(er):
Bild: Abhotten, bis der Hammer fällt: gut animierte junge Sammler im "Friday Club" bei Sotheby's in Amsterdam
Bild: Kühle Drinks, alter Schmuck: "New Collectors" bei Sotheby's in London
