Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 101
"Es ist ein Drama"
Von
Museum: Verfahrensfehler bei Dresdner Depotneubau
Wir hatten ein ideales, originelles Ergebnis!" Tilmann von Stockhausen, Sprecher der Dresdner Kunstsammlungen, ist sauer. Schien doch alles bestens geregelt für den Depotneubau im Albertinum: Es gab einen hervorragenden Siegerentwurf vom Berliner Architekten Volker Staab und und es gab einen genauen Terminplan für die Bauarbeiten, Schließungszeiten der Schauräume inklusive. Doch jetzt ist alles durcheinander: Der Münchner Architekt Stephan Braunfels hat gegen die Vergabepraxis des Wettbewerbausschreibers, des Sächsischen Immobilienmanagements, geklagt und Recht bekommen.
Aus 92 Bewerbungen - darunter auch die von Braunfels - hatte man im Sommer 2004 zehn Vorschläge für die Endrunde gewählt. Unter die Finalisten gelangte Braunfels, der in München die Pinakothek der Moderne gebaut hat, aber nicht. Nun monierte er, dass wichtige Auswahlkriterien den Teilnehmern vorab nicht bekannt gewesen seien: zum Beispiel die Bevorzugung von einheimischen und von "jungen" Architekturbüros.
Die Vorauswahl musste wiederholt werden, und für die Neuauflage der Endrunde sind mittlerweile wieder zehn Architekten im Raum, Braunfels und Staab inklusive. Der öffentliche Bauträger spielt den ungewöhnlichen Vorgang herunter. Durch die Wiederholung seien nur rund 5000 Euro Mehrkosten entstanden, die das sächsische Finanzministerium übernehme. Über eventuell zusätzliche Kosten, die den Kunstsammlungen entstehen, sei ihm nichts bekannt. Auch der Gewinner des ersten Verfahrens nimmt die Sache sportlich. Es sei "eine heikle Angelegenheit, bei der man besser keinen Wind aufwirbeln sollte", sagt Staab. Nur wenn unter den Neubewerbungen plötzlich ein Plagiat seiner Idee auftauchen würde, gäbe es Ärger. Der Berliner Architekt stellt sich das neue Depot der Kunstsammlungen Dresden vor wie eine "Arche Noah, die für immer aus dem Bereich der Fluten herausgehoben wurde". Dafür will er über dem Innenhof des Albertinums einen scheinbar frei schwebenden Riegel setzen. Symbolisch wie funktional bezieht sich Staab auf die Flut im Jahre 2002, bei der die unterirdischen Depots unter Wasser standen (art 10/2002). Doch auch wenn die "Arche" wieder als Sieger aus dem erneuten Wettbewerb hervorgehen sollte, steckt das Albertinum in Schwierigkeiten. Denn geplant war, das Haus für die Bauarbeiten ab März zu schließen. Dann geht auch ein Großteil von Gerhard Richters Dauerleihgaben aus dessen erst letzten August eröffneten Bilder-Schau auf Welttournee. Jetzt drohen leere Säle, denn wegen der verunglückten Ausschreibung muss noch mindestens bis Herbst geöffnet bleiben. Derzeit wird mit Gerhard Richter, aber auch mit anderen Museen verhandelt, um rasch Ersatz zu beschaffen.
"Die ganze Geschichte ist schon ein Drama für uns", erklärt Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Seine Informationen beziehe er im Wesentlichen aus der Presse. Bislang sei er nicht für das zweite Auswahlgremium vorgesehen, klagt der Museumschef. SUSANNE ALTMANN
Bild(er):
Bild: Die Gerüste stehen schon: das Dresdner Albertinum mit Werbung für die Gerhard-Richter-Schau
Bild: Der Entwurf von Volker Staab sieht eine Lichtdecke für den Innenhof vor. Darüber soll das neue Depot der Staatlichen Kunstsammlungen thronen
