Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 102

Schloss ohne Kultur?

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KOMMENTAR

Endlich schien der Streit um den Nachbau des Berliner Stadtschlosses halbwegs ausgestanden. Und nun dies: Das Bundesbauministerium will dem Kabinett "verschiedene Varianten" für die Finanzierung vorlegen - nicht dementierten Gerüchten zufolge auch eine, die ohne öffentliches Geld auskommt, den Baugrund also Investoren überträgt. Die Lösung wäre verlockend für den klammen Finanzminister, aber eine nicht nur kulturpolitisch verheerende Blamage. Der Bundestag hat ja eigentlich längst beschlossen, hinter den kopierten Barockmauern die außereuropäischen Bestände der Staatlichen Museen sowie die Sammlungen der Humboldt-Universität einziehen zu lassen. Doch zur Miete zu wohnen, das könnte sich die Kultur nicht leisten. Übrig bliebe eine rein kommerzielle Nutzung. Die Schlossdebatte beruhte wesentlich darauf, dass die Ödnis gegenüber der Museumsinsel nicht bloß als Loch im Stadtbild gilt, sondern als ein symbolischer Mittelpunkt Deutschlands. Einen solchen Ort Büroverwaltern oder Bekleidungshändlern zu überlassen - beschämender könnte der Staat kaum vor seiner Geldnot kapitulieren. Hinter den Fassaden eines Königsschlosses muss man in einer Liga mit dem Louvre spielen, nicht mit den Galeries Lafayette. BORIS HOHMEYER

Bild(er):

Bild: So soll er aussehen: der Nachbau des Berliner Schlosses