Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 88

Bücher der Alten

Von Adrienne Braun

DELMENHORST: KRIEG MEDIEN KUNST / Statt mit aktuellen Kriegen beschäftigt sich die Schau mit Erinnerungsbildern.

Als Junge sah Gerhard Richter Angriffe russischer Tiefflieger und war verängstigt und fasziniert zugleich. Jahre später, 1966, tauchte das Motiv auf einigen seiner Siebdrucke auf. Die martialischen Maschinen sind in Rosa und Babyblau gedruckt - elegante Objekte, denen man ihre mörderische Mission nicht ansieht. Die Drucke sind Teil einer ambitionierten Ausstellung: Die Kuratorin Isabell Schenk-Weininger untersucht, wie sich deutsche Künstler mit dem Thema Krieg beschäftigen. Da die meisten von ihnen keinen Krieg erlebt haben, will die Schau zugleich zeigen, wie sie Informationen aufbereiten, die sie aus den Medien oder durch Erinnerungsstücke haben. So sammelt Sigrid Sigurdsson seit mehr als 20 Jahren Briefe und persönliche Papiere aus dem Dritten Reich und zeigt dicke Bücher, in die solche Dokumente eingeklebt sind. Es gibt Videobeiträge und Streifzüge durchs Internet, und doch wird die Frage, wie denn nun das jeweilige Medium Erinnerung filtert, nirgends wirklich beantwortet. Zudem kommen aktuelle Positionen zu kurz: Die Protestkunst der Nachkriegsgeneration gehört längst zum Kanon, interessanter wäre es gewesen, wie Künstler auf die Kriege der Gegenwart reagieren.

Termin: bis 20. März. Städtische Galerie Delmenhorst, Haus Coburg, anschließend vom 9. April bis 29. Mai. Stadtgalerie Kiel. Katalog: Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 15 Euro. Internet: www.staedtische-galerie-delmenhorst.de und www.kiel.de/kultur/stadtgalerie

Bild(er):

Bild: Martin Kippenberger: "Ohne Titel (Krieg böse)", 1991