Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 104

Charlotte fehlt Lebendigkeit

Von

Expertise: Schweriner Bild kein Gainsborough-Werk

Es ist eine verdammt gute zeitgenössische Kopie", erklärt Hugh Belsey. Das Porträt der Königin Charlotte von England ist ein Glanzstück im Staatlichen Museum Schwerin, wo es bislang als spätes Werk des englischen Malers Thomas Gainsborough (1727 bis 1788) galt - bis Belsey, Experte und langjähriger Leiter des Gainsborough's House in Sudbury, 2004 nach Schwerin gerufen wurde.

Im Zuge von Entschädigungsverhandlungen, die zwischen dem Land Mecklenburg-Vorpommern und den Töchtern des letzten mecklenburgischen Großherzogs geführt werden, erstellte Belsey eine Expertise des Gemäldes, das sich früher im Besitz der herzoglichen Familie befand. Als Vorlage für das Schweriner Bild, so der Fachmann, diente ein Gainsborough-Doppelporträt von George III. und dessen mecklenburgischer Gemahlin Charlotte, das dem englischen Königshaus gehört.

Der Schweriner Charlotte aber fehle die für Gainsborough so "typische Lebendigkeit". Von einem Wertsturz von 40 Millionen auf etwa 35000 Euro, wie oft berichtet, kann keine Rede sein. Vergleichbare Gainsborough-Originale liegen bei einem Marktwert von zehn Millionen Euro. Für das Schweriner Museum hat die Abschreibung auch etwas Gutes: mindert sich so doch das Rückgabevolumen an die großherzoglichen Erben. SUSANNE ALTMANN

Bild(er):

Bild: Kopie nach Thomas Gainsborough: Schweriner Porträt (um 1781) der Königin Charlotte von England