Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 78-79
Nie mehr langweilige Kunst
Von Almuth Spiegler
AUSSTELLUNGEN IM MÄRZ / WIEN/GRAZ: JOHN BALDESSARI / Das Museum Moderner Kunst und das Kunsthaus zeigen Werke des Amerikaners
Am 24. Juli 1970 verbrannte John Baldessari alle Bilder, die er zwischen 1953 und 1966 gemalt hatte. Die Asche des "Cremation Project" wanderte in eine Urne, in der Zeitung erschien eine Todesanzeige. Derart dramatisch wandte sich Baldessari von "der Ideologie des Tafelbildes und der aufgespannten Leinwände" ab, so Rainer Fuchs im Katalog der Wiener Ausstellung, "um sich den nicht-malerischen Medien und Reproduktionstechniken zu widmen". Doch was wie ein Schlussstrich unter die Malerei aussieht, sollte nur ein neuer Anfang mit denselben Mitteln werden.
Schon in seinem Frühwerk hatte der 1931 in einem Vorort von San Diego in Kalifornien geborene Baldessari die Medien gemischt; er benutzte Schnappschüsse, Plakate und Comics als Vorlagen. Bis heute interessiert ihn dabei nicht die angewandte Technik, sondern vor allem die Botschaft, die Wechselwirkung zwischen Sprache und Bildern. Im Rückblick zählt der heute 73-Jährige zu den einflussreichsten Künstlern der vergangenen 30 Jahre. Sowohl in Fotografie, Performance und Video leistete Baldessari Innovatives. Schon 1968 ließ er elektronische Schriftbänder ablaufen, lange bevor Jenny Holzer diese zu ihrem Markenzeichen machte. Legendär ist seine Aktion von 1971, in der er Studenten unentwegt einen einzigen Satz auf die Wände einer Galerie schreiben ließ: "I will not make any more boring art" ("Ich werde keine langweilige Kunst mehr machen").
Es ist wohl das Los des Lehrers und schwer fassbaren Multimedia-Künstlers, dass Baldessari nicht mit den ganz Großen genannt wird. Man assoziiert seinen Namen vor allem mit den knalligen großformatigen Serien der jüngeren Zeit: Mit Neonfarben hebt Baldessari aus schwarzweißen Filmstandbildern Details heraus.
Gleich zwei österreichische Institutionen haben sich jetzt seines Gesamtwerks angenommen. Das Wiener Museum Moderner Kunst blickt mit rund 100 Fotoarbeiten, Videos, Malereien und Büchern auf die Jahre 1962 bis 1983 zurück. Und das Grazer Kunsthaus schlägt mit rund 40 der späteren mehrteiligen Bilder die Brücke in die Gegenwart. Zwei Kataloge in einem Schuber überwinden die 200 Kilometer Distanz zwischen den beiden Teilen der Schau.
Termine: Wien 4. März bis 3. Juli; Graz 5. März bis 16. Mai. Kataloge: Wien 31,80 Euro; Graz 29,80 Euro. Internet: www.mumok.at; www.kunsthausgraz.at
Bild(er):
Bild: "Person auf Bett (blau): mit Schatten (orange) und Lampe (grün)", 214 x 192 x 10 cm, 2004
Bild: "Vier Bälle in die Luft werfen, um ein Quadrat zu bekommen" (acht Fotos, je 24 x 35 cm, 1974)
