Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 80
Drei Chronisten der rheinischen Szene
Von Petra Bosetti
AUSSTELLUNGEN IM MÄRZ / DÜSSELDORF: KATZ, KIFFL, LEVE / Im Museum Kunst Palast entsteht ein Archiv rheinischer Fotografie
Prima Stimmung herrschte in der Cafeteria des Bonner Kunstmuseums. Sieben Größen der Kunstszene trafen sich am Tresen zum Bier, der Fotograf Benjamin Katz hat das Gipfeltreffen festgehalten: den Farbzauberer Gotthard Graubner, das fürstliche Malertrio Markus Lüpertz, Georg Baselitz und Jörg Immendorff, den Kunstsammler Hans Grothe, die Allround-Künstlerin Rosemarie Trockel.
Diese Fotografie von 1990 gehört zum neuen "Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene", eingerichtet von der Kunststiftung Nord-rhein-Westfalen. Im Museum Kunst Palast in Düsseldorf ist der Grundstock des Archivs in einem eigenen Raum zu besichtigen mit Arbeiten von Erika Kiffl, Manfred Leve und Benjamin Katz.
Nordrhein-Westfalen hatte sich seit den fünfziger bis in die neunziger Jahre zu einem vitalen Ballungsgebiet der Künste entwickelt. Künstler, Museumsleute, Ausstellungsmacher, Galeristen und Kulturverwalter hatten "der kommunikativen Kraft der Kunst folgend, sich ganz der Produktion und Vermarktung avantgardistischer Kunst" verschrieben, so Regina Wyrwoll, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW.
Die Gruppe 53, die Kunstakademie Düsseldorf, die Galerien Der Spiegel, Parnass, Alfred Schmela und Konrad Fischer sorgten für ein inspirierendes Klima. Kunstströmungen und -richtungen wie Zero, Fluxus, Kapitalistischer Realismus, Lidl, später dann Neue Medien, Junge Wilde, Konzeptkünstler und viele andere mehr garantierten Kontinuität ebenso wie Neuanfang.
Und all dies wurde begleitet und festgehalten von Fotografinnen und Fotografen. Überwiegend in Schwarzweiß wird "Kunst hier auf künstlerische Weise festgehalten, nicht nur dokumentiert, sondern auch interpretiert", schrieb der Ausstellungsmacher Stephan von Wiese im Katalog zur Erstpräsentation der 2003 angekauften Arbeiten in der Düsseldorfer Galerie Hete Hünermann.
Bei allen dreien ist ein jeweils eigener Ansatz erkennbar. Benjamin Katz ist so etwas wie der Cartier-Bresson der rheinischen Kunstszene, der immer im rechten Moment auf den Auslöser drückt und Freunde wie Joseph Beuys, Sigmar Polke, das Kölner Künstler-Original Antonius Höckelmann oder Michael Buthe verewigte. Spezialität von Erika Kiffl sind die Atelierbesuche und Akademierundgänge, wo sie zum Beispiel das Entstehen von experimentellen Ausstellungen verfolgt. Manfred Leve hat sich seit den späten fünfziger Jahren auf Aktionen, Vernissagen und andere künstlerische Ereignisse spezialisiert.
Internet: www.museum-kunst-palast.de/ Kiffl-Foto vom Düsseldorfer Akademierundgang: Installation von Martin Honert (1985)
Bild(er):
Bild: Fröhliches Gipfeltreffen im Bonner Kunstmuseum (von links): Gotthard Graubner, Markus Lüpertz, der Sammler Hans Grothe, Sigmar Polke, Rosemarie Trockel, Georg Baselitz, Jörg Immendorff (daneben: Unbekannter). Der Fotograf Benjamin Katz, der Cartier-Bresson der rheinischen Kunstszene, machte die Aufnahme vom Meeting der Sieben im Jahr 1990
