Ausgabe: 03 / 2005

Ein Kurator in eigener Sache

AUSSTELLUNGEN IM MÄRZ / DÜSSELDORF: GERHARD RICHTER / Der Wahlkölner zeigt im K20 rund 120 Arbeiten aus den letzten 40 Jahren

Zweimal würdigte das Rheinland einen seiner berühmtesten Maler mit einer Retrospektive: Knapp 20 Jahre ist es her, dass die Düsseldorfer Kunsthalle das damals schon unerhört breite, immer wieder zwischen Abstraktion und Realismus changierende und entsprechend stets wieder verblüffende Werk des Wahlkölners vorgestellt hat. Die Bonner Bundeskunsthalle feierte vor zwölf Jahren den damals 60-jährigen Maler auf dem scheinbaren Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere. Und während sich Köln derzeit auf peinliche Weise darum drückt, dem gebürtigen Dresdner wenigstens die längst versprochene Ehrenbürgerwürde auszusprechen, prescht nun wieder Düsseldorf mit einer weiteren Werkschau vor.

Richters Schaffensdrang und Freude am malerischen Experiment sind ungebrochen. Und einer, der dieses Werk kontinuierlich beobachtet und begleitet hat, ist Armin Zweite, früher als Direktor des Münchner Lenbachhauses und seit 1990 als Chef der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Dort, im K20, durfte Richter als sein eigener Kurator schalten und walten. Über alle drei Stockwerke des Hauses verteilte er die rund 120 Werke aus 40 Jahren. Den Auftakt markieren in den oberen Räumen seine Landschaften. Aber weder hier noch in den anderen Sälen folgt die Hängung einer chronologischen Ordnung, sondern Richters eigenwilliger Bildregie. Und dazu gehört, dass er die Wände immer wieder mit allerneuesten, abstrakten Gemälden durchsetzt.

Auch im zweiten Geschoss vermischen sich weiche Vermalungen, strenge Farbtafeln, romantische Grisaillen, Bilder nach Fotos und äußerst bunte Abstraktionen. Auf Zeitungsfotos beruft sich Richter auch in seinen jüngsten Gemälden. Für sie wurde das Erdgeschoss von allen architektonischen Einbauten befreit. Bei Formaten wie bei dem 910 x 945 Zentimeter großen und aus 130 Einzelbildern zusammengesetzten "Strontium" von 2004 hat das auch Sinn, denn nur so lässt sich dessen erhabene Präsenz erfahren. Die anderen vier Bilder aus dieser Serie zum Thema chemischer Strukturmodelle sind weniger monumental, aber ihre wabenartige Bildstruktur und ihr unfarbiges grauweißes Netzraster erzählen von den Zweifeln Richters sowohl an der Beweisbarkeit wie an der künstlerischen Darstellung von Wirklichkeit. Dazu passen die in Vierergruppen gehängten acht fünf Meter hohen Glasscheiben, in denen sich letztlich auch nur das spiegelt, was wir momentan für wahr und wirklich halten. CHRISTIANE VIELHABER

Termin: bis 16. Mai. Gefördert von der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen. Katalog: Richter-Verlag, 29 Euro, im Buchhandel 64 Euro. Internet: www.kunstsammlung.de/

Weitere Ausstellungen: Louisiana Museum of Modern Art Humlebñk/Kopenhagen: "Gerhard Richter - Image after Image", 60 Gemälde (bis 29. Mai.); Museum Franz Gertsch, Burgdorf/Bern: "Gerhard Richter - Ohne Farbe", 30 monochrome Gemälde (bis 8. Mai); Kunsthalle Emden: "Gerhard Richter: Printed!", 200 Druckgrafiken, Foto-Editionen und Künstlerbücher (bis 24. April, danach 23. Juli bis 16. Oktober Salzburg, Rupertinum)

Bild(er):

Bild: Die Unschärfe ist in vielen Arbeiten von Gerhard Richter Stilprinzip: "Rosen" nannte er das Bild (46 x 51 cm), das er 1994 mit Ölfarben malte

Bild: "Wolken" (400 x 250 cm), Ölbild aus dem Jahr 1978

Abo