Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 70-71

Brokat und Seide

Von Ute Diehl

AUSSTELLUNGEN IM MÄRZ / VENEDIG: PAOLO VERONESE / Das Museo Correr zeigt eine Werkschau des Renaissancemeisters

Er hieß eigentlich Paolo Caliari, doch in Venedig nannte man den Fremden nach seiner Geburtsstadt Verona. 1553, mit kaum 26 Jahren, arbeitete er an den Deckengemälden des Dogenpalastes und erregte damit großes Aufsehen. Er wurde neben Tizian und Tintoretto zum dritten Protagonisten der großen venezianischen Kunstepoche im 16. Jahrhundert. Ab 1570 mehrten sich neben den offiziellen auch die privaten Aufträge. Das Museo Correr zeigt jetzt eine Auswahl der weltlichen Werke von Paolo Veronese: mythologische Szenen, Allegorien, Porträts. Zum ersten Mal werden der Festsaal und weitere Räume im ersten Stock des Museums für eine Ausstellung geöffnet.

Veronese zeigt die Welt von ihrer heitersten Seite: Er malte das Leben der vom Glück begünstigten venezianischen Aristokratie. Wie die Adligen kleidete er sich selbst auch am liebsten in Spitze und Pelz. Auf seinen Bildern ist häufig eine blonde, üppige Venezianerin zu sehen. Sie flieht als Daphne vor dem verliebten Apoll, tritt neben Merkur als Venus auf oder wehrt sich als überzeugte Jungfrau Atalante gegen den werbenden Meleagros. Vor dunklen Bäumen und blumenstreuenden Putten wird Europa, die phönizische Königstochter, von ihren Dienerinnen auf den Stier gehoben, wobei das seidene Gewand verrutscht und den Busen freigibt. Der Stier, eine Verwandlung Jupiters, leckt Europa verliebt den linken Fuß. Solche Darstellungen gefielen in einer Stadt, die für ihre Libertinage berühmt war. Der Barockmeister Peter Paul Rubens hat später den "Raub der Europa" sorgfältig studiert und nach ihm seine Flaminnen modelliert. Und die französische Malerei des 18. Jahrhunderts wurde von Veronese zu aristokratischen Schäferidyllen inspiriert.

Veroneses Malerei hat nicht den goldenen Schimmer später Tizianwerke oder die helldunkle Dramatik der Gemälde Tintorettos. Sie zeigt klare Farben wie Blau und Gelb, scharlachrote Tupfer, unzählige Spielarten von Weißtönen. Der Künstler liebte die schimmernden Stoffe, , den Glanz der Rüstungen und Perlen, hochgestecktes Haar und immer wieder Hunde.

Die meisten seiner Werke hat Veronese für bestimmte Räume in Venedig konzipiert. So gehört zum Ausstellungsbesuch ein Spaziergang zur Kirche und Sakristei San Sebastiano, zur Basilica dei Santi Giovanni e Paolo, San Pietro di Castello, San Luca, zum Dogenpalast und ein Besuch der von Palladio entworfenen und von Veronese dekorierten Villa Barbaro in Maser im nahen Treviso.

Termin: bis 29. Mai. Katalog: Skira Verlag, 49 Euro. Internet: www.museiciviciveneziani.it/main.asp

Bild(er):

Bild: Jupiter verführt als Stier die Königstochter: "Raub der Europa" (1575 bis 1580, 240 x 307 cm)