Ausgabe: 03 / 2005
Seite: 67

"Ich will Transparenz"

Von Adrienne Braun

Die neue Museumschefin setzt Aufbruchssignale

Den Posten der Direktorin verdankt Marion Ackermann einem Eklat. Ihr Vorgänger Johann-Karl Schmidt hatte in seiner 17-jährigen Amtszeit für manchen Skandal gesorgt. Als er aber den geplanten Neubau der Architekten Hascher und Jehle als "einen Haufen Scheiße" bezeichnete, musste er gehen. Eine Chance für Ackermann - und für Stuttgart. Die promovierte Kunsthistorikerin, geboren 1965, sagte ihrer Kuratorentätigkeit im Münchener Lenbachhaus adieu und begann beherzt, den Stuttgarter Augiasstall auszumisten. Inzwischen sind die Konflikte mit den Architekten, mit Mitarbeitern und anderen Institutionen bereinigt, und Ackermann hat ihr Versprechen bereits wahr gemacht.

Die Sammlung ist nun wissenschaftlich und restauratorisch auf Kurs gebracht, es gibt endlich eine Homepage und einen Förderkreis, und im Moment ist Ackermann dabei, die Geschichte der Galerie der Stadt Stuttgart aufzuarbeiten. Ein klares Profil hat die Sammlung nicht. Der Grundstock wurde 1924 mit einer Kollektion schwäbischer Impressionisten gelegt, von überregionaler Bedeutung sind heute das Baumeister-Archiv, die Dix-Sammlung und der Werkkomplex von Dieter Roth. Ackermann kennt nun wohl sämtliche der rund 15000 Arbeiten - "ich muss alles mit eigenen Augen sehen", sagt sie, "deshalb habe ich alles auspacken lassen".

Sie will künftig thematische Ausstellungen präsentieren, die "intensive Bezüge zu Stuttgart" haben, aber auch "Verknüpfungen mit internationalen und zeitgenössischen Fragestellungen und Positionen herstellen". Deshalb wird zum Beispiel eine Arbeit von Bruce Nauman zur Eröffnung gezeigt, die sich auf Samuel Beckett bezieht. Beckett drehte seine "Teleplays" zwischen 1965 und 1983 in Stuttgart.

Die Direktorin wird sich auch künftig als Kuratorin betätigen. "Ich wollte die Strukturen so schaffen, dass ich mich noch mit den Inhalten beschäftigen kann", sagt sie. Deshalb hat sie durchgesetzt, dass ihr ein Verwaltungsleiter und externe Berater zur Seite stehen. "Denn es wäre traurig, wenn an der Spitze der Museen nur noch Manager säßen." A.B.

Bild(er):

Bild: Von München nach Stuttgart: Marion Ackermann