Ausgabe: 02 / 2004
Seite: 110

Das Saatchi-Prinzip

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Sammler: Warum der Künstler Damien Hirst in einer spektakulären Aktion mehrere Werke zurückkaufte

Als der britische Künstler Damien Hirst dem Londoner Großsammler Charles Saatchi jüngst vorwarf, er "beurteile Kunst lediglich mit dem Geldbeutel", horchten Szene-Kenner auf. Der abfällige Satz schien das Ende einer über zehn Jahre langen, engen Allianz zu signalisieren. Und richtig: Wenige Wochen später kaufte der junge Brit-Art-Star, unterstützt von seinem Händler Jay Joplin (Galerie "White Cube") in einem beispiellosen Akt zwölf Werke von Saatchi zurück.

Schon seit einiger Zeit war es zu Spannungen zwischen dem Künstler und seinem größten Sammler gekommen, der Hirst, 38, und weitere Vertreter seiner Generation einst gefördert und durch die Ausstellung "Sensation" berühmt gemacht hatte. Als Saatchi, 60, im April vergangenen Jahres sein neues Museum am Südufer der Themse mit einer Hirst-Retrospektive eröffnete (art 4/2003), zeigte sich der Bildhauer unzufrieden mit der Präsentation seiner Werke. Der Rückkauf gilt Kennern nun als weiteres Indiz für eine Klimaverschlechterung. Nun wird in London spekuliert, Hirst habe diesen Schritt getan, weil er beobachtete, wie Saatchi seit der "Sensation"-Ausstellung regelmäßig Werke der Brit-Art-Künstler in die Auktionen brachte und befürchtete, dass der Sammler nun auch einen Teil seiner Arbeiten auf den Markt werfen wolle. Andere Beobachter vermuten, dass der Sammler den ersten Schritt getan hat und Hirst von sich aus die Möglichkeit gab, seine Werke zurückzukaufen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Saatchi Werke en gros abstößt: 1989 hatte der Sammler sich von einem Werkblock des britischen Malers Sean Scully getrennt, nachdem er zuvor durch Großeinkäufe das Preisniveau kräftig in die Höhe getrieben hatte. Scully, der Saatchi wichtige Bilder überlassen hatte, weil er annahm, der Sammler werde sie eines Tages der Londoner Tate Gallery vermachen, nannte den Verkäufer daraufhin einen "Superhändler" -eine Anspielung auf seinen Ruf als "Supersammler" -und beschimpfte ihn als "kleinen Schuft".

Ähnliche Erfahrungen hatten auch drei deutsche Künstler machen müssen: Vom Mythenmaler Anselm Kiefer hatte Saatchi einst zu Preisen um die 50000 Dollar große Formate gekauft - um sie Jahre später für rund eine Million Dollar pro Werk wieder loszuschlagen. Ein großes Bleibild soll sogar um zwei Millionen Dollar gebracht haben. Sigmar Polke, einst mit 17 Arbeiten in der Saatchi-Sammlung präsent, soll nur noch mit einem Bild vertreten sein. Ähnlich erging es seinem Kollegen, dem Maler-Bildhauer Georg Baselitz. Saatchi verteidigt sein Verhalten mit dem Hinweis, er wolle seine Sammlung nicht stagnieren lassen, sondern regelmäßig auffrischen. Dennoch fühlen sich nun jene bestätigt, die seit jeher glauben, dass Saatchi seine Kunst zwar liebt, aber auch gern Geschäfte mit ihr macht.

Bild(er):

Bild: Ehemals unzertrennlich: Charles Saatchi (links) und Damien Hirst

Bild: Von Anselm Kiefers Gemälde "Sulamith" trennte sich Saatchi schon früher

Bild: Sie hat der Sammler nicht verkauft: Damien Hirsts Werk "Die Unvorstellbarkeit des Todes für einen Lebenden" (1991) - ein in Formaldehyd eingelegter Hai - und seine anatomische Studie "Hymne" (1999, rechts) bleiben der Saatchi Collection in der Londoner County Hall angeblich erhalten