Ausgabe: 11 / 2004
Seite: 207

Herbst der neuen Museen

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Berlin: Landesmuseum eröffnet in neuem Gebäude

Sieben Jahre hatte Berlin seine wichtigste Sammlung weggeschlossen: Das Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur fristete ein Schattendasein im Depot (art 10/1998). Jetzt wird aus dem Direktor Jörn Merkert endlich auch ein Hausherr. Am 23. Oktober eröffnet er die "Berlinische Galerie" an der Alten Jakobstraße im Stadtteil Kreuzberg. Keine erste Adresse für die Kunst, wie etwa die Museumsinsel, aber nur einen Steinwurf entfernt vom gut besuchten Jüdischen Museum. Aus einem ehemaligen Glaslager ist in einjähriger Bauzeit ein funktionales Museum mit rund 4100 Quadratmetern Ausstellungsfläche, mit perfekten Depots, Lese- und Vortragssälen, einer Malschule sowie einem Restaurant geworden. Ein offenes Raumkonzept schafft Blickachsen und verzahnt auf reizvolle Weise die Kunst-Epochen in den einzelnen Sälen und Kabinetten. Den Preis der Umwidmung hat die Armut des Bauherrn diktiert: Mehr als 18,7 Millionen Euro konnte das Land Berlin für seine wichtigste Galerie nicht aufbringen. A. H.

Hombroich: Tadao Andos Bau für die Langen-Stiftung

V iktor Langen und seine Frau Marianne sammelten seit den fünfziger Jahren Kunst - Klassische Moderne wie Paul Cezanne, Alexej Jawlensky und Max Ernst, seit den sechziger Jahren aber auch japanische Kunst vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Die Japan-Sammlung ist in Umfang und Qualität einzigartig in Europa. Nachdem der Unternehmer 1990 gestorben war, beauftragte Marianne Langen vier Jahre vor ihrem Tod im Frühjahr dieses Jahres den japanischen Architekten Tadao Ando mit einem Museumsbau. Der 63-Jährige, der nie Architektur studiert hat, beeindruckt die Welt seit Jahren durch Gebäude, die eine weltentrückte Stimmung vermitteln. Auch bei seinem Bau für die Langen Foundation auf der Insel Hombroich am Niederrhein erzeugt er durch das Zusammenspiel von Glas und Wasser diese Wirkung. Das Hauptgebäude besteht aus einem Betonkern mit Glasmantel. Es spiegelt sich in einem künstlichen See. Wie ein Heiliger Bezirk ist die Anlage von der Au-ßenwelt abgeschirmt, hier durch begrünte Erdwälle. H. C.

Baden-Baden: das Burda-Museum von Richard Meier

Das Modewort Public-Private-Partnership wird in Baden-Baden diesen Herbst mit neuem Inhalt gefüllt: Wenn das Museum der Sammlung Frieder Burda am 23. Oktober eröffnet, wird das neue Institut nicht nur architektonisch -durch eine Brücke -mit der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden verbunden sein. Das Haus soll auch sonst eng mit der Kunsthalle kooperieren. Die Aufgabenteilung formuliert Frieder Burda so: "Die Kunsthalle soll wieder avantgardistisch werden, wie sie es vor 20 Jahren war, während wir eher den klassischen Bereich übernehmen." Burdas Sammlung umfasst über 550 Werke mit den Schwerpunkten deutscher Expressionismus, amerikanischer Neo-Expressionismus und Gegenwartskunst. Burda ist überzeugt, dass beide Häuser von der Kooperation nur profitieren werden. Die Stiftung übernimmt die Kosten für den laufenden Betrieb des neuen Museums. Eine Bereicherung stellt dabei nicht nur die Sammlung, sondern auch das lichtdurchflutete Gebäude dar - einer der besten Richard-Meier-Bauten. A.B.

Bild(er):

Bild: Nützliche Raumskulptur: Die x-förmige Treppe führt von der großen Halle ins Obergeschoss des Museums

Bild: Beruhigender See: Die Anlage von Tadao Ando wirkt weltentrückt

Bild: Blendende Oberfläche: die weiße Aluminiumhaut des Burda-Museums

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