Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 113
Trend zum Erzählerischen
Von
Medien: Resüme der ersten Kölner "KunstFilmBiennale"
Das ist das Schöne am Rheinland: Mitten in die allgemeine Finanzkrise hinein wird hier eine "KunstFilmBiennale" gegründet, getragen von gleich mehreren Stiftungen aus Stadt und Land. Während der diesjährigen Kunstmesse "Art Cologne" feierte sie ihre Premiere.
Um Künstlerfilme, Kunst im Film und Filme über Kunst geht es dieser Biennale. Im Zentrum des Festivals steht ein internationaler Wettbewerb, zu dem in diesem Jahr rund 60 Dokumentar-, Kurz- und Kinofilme eingereicht wurden. Den mit 15000 Euro dotierten Preis der Filmstiftung NRW gewann der Londoner Künstler Isaac Julien für seinen Film "Baltimore" - eine Hommage an das amerikanische schwarze Kino der siebziger Jahre. "Baltimore" steht für den aktuellen Trend im Künstlerfilm: Die Erzählung fragmentarischer Geschichten.
In diese Rubrik passt auch der Beitrag "Grand Littoral", ausgezeichnet mit einer "besondere Erwähnung" der Jury. Die französische Fotografin Valerie Jouve hat das Thema ihrer Aufnahmen -Menschen in Vorstädten -zum ersten Mal in einem Film verarbeitet. Der Preis des Verbandes der Deutschen Filmkritik ging an die Österreicher Harald Hund und Paul Horn für ihren Streifen "Habibi Kebab", in dem die beiden auf ironische Weise den Kunstbetrieb durchleuchten.
Finanziell ist die KunstfilmBiennale vorerst gesichert. Dass die Nachfolgerin dann noch parallel zur "Art Cologne" stattfinden wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn das Fachpublikum der Messe nahm sich kaum Zeit, die Filme anzusehen. Heinz Peter Schwerfel, Künstlerischer Leiter der Biennale, plant daher für das nächste Jahr eine zeitliche Entzerrung: Künftig sollen sich Messe und Kunstfilm-Biennale nur noch am Wochenende überschneiden.
Internet: www.kunstfilmbiennale.de
Bild(er):
Bild: Hommage an das Kino der siebziger Jahre: "Baltimore" von Isaac Julien
