Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 109

Erlebniswelt für Werber

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Büro-Design: Eine spektakuläre Renovierung in Ludwigsburg durch die Stuttgarter Architekten Bottega und Ehrhardt

Am Westrand von Ludwigsburg, wo einst die Kühlschränke der Marke "Eisfink" produziert wurden, residiert jetzt Max Maier: ein umtriebiger Investor, der leerstehende Fabrikbauten wieder mit Leben füllt. Die neuen Nutzer kommen aus den Bereichen Design und Medien, Film und Fernsehen, Werbung und Musik, Kunst und Gastronomie.

Maier betreibt die Umwandlung der zahlreichen Gebäude auf dem weitläufigen Industrieareal sowie der Freiräume zwischen den Hallen mit Sorgfalt und ästhetischem Anspruch. Die passenden Architekten für diese Aufgabe hat er gefunden: Giorgio Bottega, 36, und Henning Ehrhardt, 37, aus Stuttgart, werten durch raffinierte Planung die alte Bausubstanz nachhaltig auf.

Inzwischen hat Max Maier auch den Hallenkomplex gegenüber der ehemaligen EisfinkFabrik übernommen. Dort wurden vormals riesige Sudkessel aus Kupfer für Bierbrauereien geformt und montiert. Das eindrucksvollste Bauwerk hier ist eine 130 Meter lange und 25 Meter breite Halle, die von einem filigranen hölzernen Tonnengewölbe überspannt wird.

Erfunden hat die geniale Leichtkonstruktion der Ingenieur Friedrich Zollinger nach dem Ersten Weltkrieg, als Holz knapp und teuer war. Deshalb besteht das rautenförmig verschraubte Tragwerk nur aus dünnen Brettern, die nicht länger als drei Meter sind. Der Verbund der schwachen Hölzer ist stärker als die Summe seiner Teile und überwölbt die Halle ohne jede Stütze.

Als Bottega und Ehrhardt den Auftrag bekamen, die "Zollinger-Halle" für die Werbeagentur "H2e" nutzbar zu machen, war ihr Ziel, die "einzigartige Aura dieses Innenraumes" zu bewahren. Das bedeutete: nicht aufteilen und nicht abteilen, keine geschlossenen Trennwände. Und von überall ein freier Blick nach oben, wo die unverkleidete Schönheit der ebenso grafisch wie plastisch wirkenden Dachstruktur immer wieder überwältigt.

Der Besucher betritt die Halle nicht ebenerdig, sondern in halber Höhe über eine schwarze tunnelartige Treppenrampe und wird danach überrascht durch die Lichtfülle im langgestreckten Großraum. Der Kontrast - vom Dunkeln ins Helle - ist eine der gelungenen Inszenierungen der Architekten. Spektakulär auch die Position des "Skyrooms" direkt unterm Dach: Da verhandeln die Werbechefs mit ihren Kunden in einer großen verglasten Regiekanzel, die in luftiger Höhe aus der Hallenrückwand herausragt.

Um in der Halle Platz zu gewinnen, wurden an drei Seiten breite Emporen eingebaut. Dieses Galeriegeschoss hängt gleichsam an der stählernen Konstruk-

tion der erhalten gebliebenen Kranbahnen. Von dort oben -auf der Brücke zwischen zwei Emporen - hat man den Überblick und begreift so am besten das originelle Design der ebenerdigen Arbeitslandschaft im Mittelschiff der Halle. Dafür haben sich die Architekten ein modulares System aus stehenden und liegenden Kästen ausgedacht, mit denen sich -senkrecht oder waagerecht, hoch oder nieder, längs oder quer -Räume komponieren lassen. Mitarbeiter, die sich abgrenzen wollen, werden die Module höher stapeln. Wenn Teamarbeit gefragt ist, hält man die Regale flacher.

Damit sich die Mitarbeiter in Pausen entspannen und auch die Sozialkontakte in angenehmer Umgebung pflegen können, entwarfen die Architekten eine räumlich verschachtelte Lounge mit Selbstbedienungsbar. Dieser "Livingroom" wurde mit grauem Teppichsamt ausgeschlagen. Auch hier ist der Kontrast wohl kalkuliert: Die weiche Textil-Landschaft vermittelt Wohlbehagen. Das intime Ambiente hat Atmosphäre. Es muss Spaß machen, bei "H2e" ein Kreativer zu sein.

Bild(er):

Bild: Die Zollinger-Halle vor ihrer Revitalisierung und danach: Unter der imposanten Holzdecke erstreckt sich jetzt eine futuristische Büro-Landschaft

Bild: Mit einem Modulsystem lassen sich Arbeitsplätze individuell anpassen

Bild: Verhandlungen als Bühnenshow: der Aufsehen erregende "Skyroom"