Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 111

Scholz & Friends

Von

Herbstauktionen: Deutsche und Österreicher triumphieren

Zwischen all den üblichen Monets, Picassos und Cezannes fiel bei den diesjährigen Herbstauktionen in New York ein Bild aus dem Rahmen: Als Los 38 bot Sotheby's "Von kommenden Dingen" an, eine politische Karikatur des deutschen Malers Georg Scholz (1890 bis 1945) aus dem Jahr 1922. Das Ölgemälde des selbst in Europa kaum bekannten Vertreters der Neuen Sachlichkeit zeigt einen beleibten Walter Rathenau, Industrieller und bis zu seiner Ermordung im Juni 1922 deutscher Außenminister, sowie Wladimir Iljitsch Lenin als feschen Dandy im Gespräch mit einem amerikanischen Geschäftsmann. Im Hintergrund rauchen die Fabrikschlote, während die Herren tabakqualmend ihre Geschäfte machen. Das Bild war bislang nur ein einziges Mal öffentlich ausgestellt, 1924 in der Mannheimer Kunsthalle. Seitdem befand es sich im Besitz einer deutsch-jüdischen Familie. Paul und Martha Landmann entkamen nur mit knapper Not dem Holocaust. 1939 floh das Ehepaar nach Amerika. Seinen Scholz nahm es mit. Als sich die Erben jetzt zum Verkauf des Bildes entschlossen, wählten sie bewusst den amerikanischen Markt. Die Rechnung ging auf: Nach heftigem Preisgefecht ging das Bild für 579200 Dollar an einen ungenannten Telefonbieter. Ein absoluter Rekord für den deutschen Künstler.

"Österreichische und deutsche Kunst geht derzeit fantastisch", sagt Helena Newman, Expressionismus-Expertin bei Sotheby's. "Die Sammler entdecken ein neues Feld." Weitere Verkaufsschlager des Abends bestätigten diesen Trend. So wurde Gustav Klimts "Landhaus am Attersee" (1914) einem Bieter für 29,1 Millionen Dollar zugeschlagen.

Bild(er):

Bild: Georg Scholz' Gemälde "Von kommenden Dingen" (1922) wurde in New York für 579200 Dollar versteigert