Ausgabe: 01 / 2004
Seite: 105
Neues vom Bilderschlitzer
Von
Kriminalität: Kunstvandale van Bladeren mag Vasen
Merkwürdig klang das Erpresserschreiben von Anfang an: Die japanische Mizuho Corporate Bank Nederland NV in Amsterdam solle dem Absender sofort "eine oder mehrere" kostbare japanische Vasen aus dem 17. Jahrhundert übergeben. Bei Weigerung drohte der Verfassen, den Firmensitz anzugreifen und zusätzlich eine Sammlung kostbarer Vasen im fernen Kioto zu zerstören.
Die Bank schaltete die Justiz ein, deren Fahnder dem Erpresser schnell auf die Spur kamen: Es handelte sich Gerard Jan van Bladeren, den Schrecken aller niederländischen Museumsdirektoren. Der heute 50-jährige hatte 1986 im Amsterdamer Stedelijk das Gemälde "Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau III" des Amerikaners Barnett Newman mit einem Messer in Fetzen geschnitten. Abstrakte Kunst, so hatte er damals angegeben, sei ihm ein Gräuel.
Van Bladeren wanderte damals für fünf Monate ins Gefängnis und durfte drei Jahre kein Museum betreten. Das hielt den Leinwandschlitzer nicht davon ab, elf Jahre nach der Tat erneut zuzuschlagen, und zwar wiederum im Stedelijk, wo er 1997 ein weiteres Newman-Gemälde schwer beschädigte, die "Cathedra". Danach wurde er psychiatrisch behandelt.
Für seinen dritten Streich macht er das Absetzen von Medikamenten verantwortlich, die er gegen seine Psychose geschluckt hatte. Sein Anwalt nannte das Schreiben "kindlich und unüberlegt". Van Bladeren verfüge nicht über telepathische Kräfte, um eine Bank oder kostbare Vasen in Kioto von Amsterdam aus zum Bersten zu bringen. Das Gericht akzeptierte diese Erklärung und sprach den Wiederholungstäter jetzt frei.
